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Erlebnisse eines Entwurzelten
An(drew) X. Pham floh als 10-jähriger mit seiner Familie als Boatpeople aus Vietnam nach Amerika. Als 30-jähriger macht er sich 1998 auf den Weg, sein Heimatland zu besuchen und seine Wurzeln zu finden. Der Bericht ist weniger ein Reisebericht als ein Roman über sich selbst beziehungsweise seine Familie. Der Vater von Andrew war hoher Offizier bei der Propaganda-Abteilung der nationalistischen Armee Südvietnams und dazu ein ziemlich gefühlloser und manchmal brutaler Vater. Die südvietnamesische Armee war während des Vietnamkrieges der enge Verbündete der USA. Sie ging nicht nur mit brutaler Gewalt gegen jegliche Opposition im eigenen Land vor, sondern unterstützte auch die überaus aggressive Kampfführung der USA gegen die Zivilbevölkerung und die vietnamesischen Befreiungskräfte, die im 'Westen' mit dem Schimpfwort Viet Cong bezeichnet wurden.
Der Erzähler mischt in seinem Buch seine Erlebnisse auf der Fahrt mit dem Rad und Zug durch Vietnam mit der Geschichte seiner Flucht und der Familiengeschichte. In Vietnam durchlebt Andrew die dunkle und arme Welt der Vietnamesen. Positive Seiten seines Landes scheint es kaum zu geben. Er findet wenig, was er an seinem Land lieben könnte, sagt er an einer Stelle des Buches. Das meiste was er erfährt ist nur Schmutz, Armut, Korruption, Brutalität und andere menschliche Schwächen. Als Viet-Kieu (Auslandsvietnamese) wird er zudem von den Landsleuten und Behörden ausgelacht und angefeindet. Schade, dass Andrew X. Pham dem Freund-Feind-Denken und dem Negativen so verhaftet bleibt. Nur ein einziges Mal auf seiner Reise durch Vietnam trifft er auf einen Menschen der ihn wirklich unvoreingenommen annimmt. Ein alter einbeiniger Mann beherbergt und pflegt Andrew während eines schweren Krankheitsanfalls - es ist ein ehemaliger Feind, ein Viet Cong. Die Wirklichkeit in Vietnam ist offener viel versöhnlicher und der Zukunft zugewendet.
Was das Buch in meinen Augen dennoch lesenswert macht, ist die spannende Schreibweise und die in sich schlüssige Geschichte eines entwurzelten Menschen, dem ich politisch zwar nicht zustimmen kann aber dennoch Mitgefühl entgegenbringe. Das was Andrew X. Pham schreibt, ist ein Teil der Geschichte Vietnams in all seinen Leiden und Widersprüchen.
Andrew X. Pham Mond über den Reisfeldern Goldmannverlag, München 2002 ISBN: 3442309778
Text: Stefan Kühner
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