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Loslösung von China

Nach der Loslösung Vietnams aus dem Verband des chinesischen Kaiserreiches wurde von diesem mehrfach der Versuch unternommen, den südlichen Nachbarn wieder unter seine Oberhoheit zu bringen. 981 wurde eine chinesische Invasion vom vietnamesischen Heerführer Lê Hoàn zurückgeschlagen. Und im 13. Jh. gelang es den Trân dreimal, Angriffe der Mongolen abzuweisen und so die Selbständigkeit ihres Landes zu wahren. Die politische Loslösung von der chinesischen Herrschaft bedeutete aber keineswegs eine Distanzierung von chinesischen Einflüssen, die vielmehr weiterhin sehr stark blieben. Das chinesische Regierungs- und Verwaltungssystem wurde von den vietnamesischen Herrschern beibehalten. Ebenso blieb die feudale Gesellschaftsordnung bestehen. Der Konfuzianismus war weiterhin Staatsphilosophie, was besonders in der Errichtung eines Konfuziustempels in Hanoi im 11. Jh. sichtbaren Ausdruck gewann. Es fanden weiterhin Prüfungen in der Kenntnis der konfuzianischen Klassiker statt, durch die Beamte für die militärische und zivile Verwaltung ausgewählt wurden. Obwohl eine eigene vietnamesische Schrift, die chũ nôm, entwickelt wurde, blieb die chinesische Zeichenschrift weiterhin Amts- und Literatursprache.

Trotz immer wiederkehrender Auseinandersetzungen zwischen China und Vietnam entwickelten sich ganz allmählich normale Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die vietnamesischen Herrscher sandten in regelmäßigen Abständen symbolische Tributgeschenke in Form von u.a. Gold, Elfenbein und Zimt nach Peking. Dafür gewährte ihnen der chinesische Kaiser das Siegel der Investitur. Neben den diplomatischen Beziehungen standen auch wirtschaftliche Kontakte im Vordergrund, die sich jedoch erst im 18. und 19 Jh. ausweiteten. Dem Druck aus dem Norden ausweichend, kamen auch immer wieder chinesische Flüchtlinge nach Vietnam und wurden dort ansässig. Nach seiner Loslösung vom chinesischen Kaiserreich versuchte Vietnam, sich weiter nach Süden auszubreiten und gleichzeitig die landeseigenen Gebirgsvölker die Mủòng, Thái, Thổ und Nùng zu unterwerfen und so das ganze Land zu einen.

Nachdem die Trân-Dynastie zu Beginn des 15. Jh. gestürzt worden war, versuchte der neue Herrscher den chinesischen Einfluss einzudämmen und insbesondere die vietnamesische Sprache zur Amtssprache zu erheben. Doch war seinen Bestrebungen kein Erfolg beschieden. Der chinesische Ming-Kaiser Yu machte sich die Uneinigkeit in Vietnam zunutze, drang 1407 in das Land ein und brachte es abermals unter die chinesische Herrschaft, die jedoch diesmal nur von kurzer Dauer war. Die vietnamesischen Bauern setzten sich gegen die drückenden Steuern und Frondienste der Chinesen zur Wehr und konnten 1427 unter der Führung von Lê Ḷ̣ỏi die Hauptstadt Hanoi zurückerobern. 1428 machte sich Lê Ḷ̣ỏi zum König und begründete die Lê-Dynastie, die bis 1804 bestand. Aber auch er stellte die Ordnung nach chinesischem Muster wieder her, Chinesisch blieb weiterhin Amtssprache, und auch die dreijährlichen Tributgesandtschaften nach Peking wurden wieder aufgenommen. Die Dichtung in chinesischer Sprache erlebte in Vietnam eine Blütezeit, doch auch Gedichte in vietnamesischer Sprache erschienen damals (im 15./16. Jh.) erstmalig.

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