Banner_HomepageE
p102
erlebe vietnam
BannerJK_Net1
vietnam shop

Ankunft der Europäer

Im 16. und 17. Jh. kamen die Europäer nach Vietnam. Es waren vorwiegend Missionare und Kaufleute, die sich dort niederließen. In der Folgezeit traten viele vietnamesische Bauern zum katholischen Glauben über und lehnten den Konfuzianismus ab. Die Missionare entwickelten bald ein vereinfachtes Schriftsystem für die vietnamesische Sprache, quôc ng̃u genannt, eine Transkription der vietnamesischen Sprache in das europäische Alphabet, aus dem die heutige vietnamesische Schrift hervorgegangen ist.

Nach mehreren Jahrhunderten innenpolitischer Kämpfe gelangte im Jahre 1804 die Dynastie Nguyên unter Gia Long ans Ruder. Um diese Zeit etwa erhielt das Land den offiziellen Namen Vietnam, und Long ließ sich unter dem Namen Nguyên Ánh von einer chinesischen Gesandtschaft, die nach Hanoi kam, zum Herrscher ausrufen. Und auch die Nguyên-Dynastie führte ihre Herrschaft genau nach chinesischem Muster. Sie stellte ein verkleinertes Ebenbild des chinesischen Kaiserreiches dar. Nachdem die Franzosen Vietnam nach heftigen Kämpfen erobert und zum französischen Protektorat (Französisch-lndochina, Annam) erklärt hatten, gingen die offiziellen Beziehungen zwischen China und Vietnam auf ein Minimum zurück. Die ehemals guten Handelsbeziehungen (Austausch von Seide und Waffen aus China gegen Salz aus Vietnam) waren kaum noch nennenswert. Auch der Konfuzianismus wurde allmählich aus dem Lande verdrängt. An seine Stelle trat der Katholizismus. Die chinesischen Schulen und Prüfungssysteme verschwanden und wurden durch französische ersetzt.

Nationalbewegungen im 20. Jh.

Doch unter der Oberfläche blieb die Verbindung zu China bestehen und spielte später eine bedeutende Rolle im vietnamesischen Freiheitskampf. So wurde z. B. die vietnamesische Nationalbewegung von chinesischen Reformern wie Kang Yuwei und Liang Qichao sehr wesentlich beeinflusst. Ebenso wie in China entstand auch in Vietnam zu Beginn des 20. Jh. ein neuer Begriff von nationaler Unabhängigkeit und individueller Freiheit, die zum Ziel der vietnamesischen Nationalisten wurde. Guangzhou (Kanton) wurde zum wichtigsten Hauptquartier für die vietnamesischen Freiheitskämpfer. Von dort aus versuchte einer ihrer bedeutendsten Führer, Phan-ḅôi-Châu, die Revolution in seinem Vaterlande zu lenken. Phan-ḅôi-Châu, der in Japan mit Liang Qichao und durch dessen Vermittlung auch mit Sun Yatsen zusammengetroffen war, gründete in Guangzhou die Vereinigung zur Wiederherstellung Vietnams (Vịêt-Nam Quang-Pḥuc Ḥôi). 1914 veranstaltete Châu in Guangzhou eine Zusammenkunft vietnamesischer Revolutionäre, auf der die Aufstellung einer revolutionären Armee gegen die Franzosen beschlossen wurde.

Doch war diesem Unternehmen kein Erfolg beschieden. Auf Veranlassung der Franzosen wurde Châu in Guangzhou festgenommen. Ein versuchter Aufstand an der Grenze von Yünnan/Guangxi und Vietnam schlug fehl. Als jedoch im Jahre 1917 die nationale Partei Guomindang in Guangzhou eine Militärregierung errichtete, befreite diese Phan-ḅôi-Châu aus der französischen Gefangenschaft. Auf Betreiben Châus wurden in den folgenden Jahren auf der berühmten chinesischen Whampoa-Militärakademie etwa 40 junge Vietnamesen ausgebildet, die später eine wichtige Rolle im Freiheitskampf gegen Frankreich spielen sollten. Während die vietnamesischen Revolutionäre von Guangzhou aus wirkten, diente andererseits Vietnam zeitweilig den chinesischen Freiheitskämpfern als Unterschlupf. So errichtete Sun Yatsen in den Jahren 1907-1908 sein Hauptquartier in Hanoi, nachdem er Japan und China hatte verlassen müssen.

Bei einem vergeblichen Versuch im Jahre 1925, die Vietnamesische Nationalpartei (Vịêt-Nam Quôc Dân Đ̉ang) zu gründen, geriet Phan-ḅôi-Châu in französische Gefangenschaft und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt (er starb 1940 in Huê). Die Gründung dieser Partei erfolgte schließlich 1927 in Hanoi. Bereits drei Jahre vorher war Hô-chí-Minh aus Moskau nach Guangzhou gekommen und hatte die Führung der sich dort entwickelnden kommunistischen Bewegung in Vietnam übernommen. In Guangzhou stellte Hô, der eigentlich Nguyên-sinh-Cung hieß, ein revolutionäres Programm - nach chinesischem Vorbild - für Vietnam auf, mit dem Ziel einer kommunistischen Revolution und der Errichtung einer Diktatur des Proletariats. Nachdem jedoch der Zwiespalt zwischen der Guomindang und Chinas Kommunistischer Partei (KPCh) immer deutlicher wurde, musste auch Hô mit seinen Anhängern Guangzhou verlassen. Als seinen Nachfolger in der Führung der von ihm aufgebauten Organisation Vịêt-Nam Cách Ṃênh Thanh-Niên Đông Chí Ḥôi (Vereinigung der vietnamesischen revolutionären jungen Kameraden), kurz Thanh-Niên genannt, setzte er Hô-tùng-Ṃâu, ein vietnamesisches Mitglied der KPCh, ein.

Auf Betreiben der Guomindang musste jedoch die Thanh-Niên bereits 1928 nach Hongkong ausweichen, wo Hô-chí-Minh 1930 mit dem Auftrag der Komintern erschien, alle kommunistischen Parteien zu vereinen. Dort entstand im Mai 1930 die Kommunistische Partei Vietnams, die bald darauf in lndochinesische Kommunistische Partei umbenannt wurde Diese Partei hatte während der folgenden Jahre mit erheblichen Schwierigkeiten von Seiten der Franzosen zu kämpfen, bei welchen ihr die KPCh, die selbst in ständigem Konflikt mit der Guomindang lag, kaum Hilfe leisten konnte. Als sich zu Beginn des Chinesisch-Japanischen Krieges die Guomindang und die KPCh zu einer Einheitsfront zusammenschlossen, wurden auch die Beziehungen zu Vietnam wieder enger, und Hô-chí-Minh, der sich in der Zwischenzeit in der Sowjetunion aufgehalten hatte, kam im Jahre 1938 wieder nach China zurück, von wo aus er zunächst erfolglos versuchte, mit Hilfe der Guomindang und der Nationalen Partei Vietnams wieder in seine Heimat zurückzukehren. Im südchinesischen Guilin schuf er eine Einheitsfront zur Befreiung Vietnams, die Vịêt-Nam Đ̣ôc Ḷâp Đông Minh Ḥôi (Liga für vietnamesische Unabhängigkeit), kurz: Vịêt-Minh.

Nachdem in diesen Jahren die Japaner in Nord-Vietnam eingedrungen waren und dort militärische Stützpunkte errichtet hatten, fand ein Aufstand gegen die Franzosen statt, der jedoch niedergeschlagen wurde. Zahlreiche Revolutionäre flohen nach China, wo sie von General Chang Fakuei aufgenommen und für ihre weitere revolutionäre Arbeit ausgebildet wurden. Sie sollten den Weg für Hô-chí-Minhs Rückkehr nach Vietnam vorbereiten, die im Jahre 1941 schließlich von der kleinen Grenzstadt Jingxi, einer wichtigen Basis der vietnamesischen Revolution, aus stattgefunden hat. Nach einer vorübergehenden Gefangennahme durch die Guomindang kehrte Hô 1944 abermals nach Vietnam zurück, begab sich heimlich nach Hanoi und rief dort am 2. Sept. 1945 die Demokratische Republik Vietnam aus.

Während China in diesem Kampf keine Hilfe geleistet hatte, war den Vịêt-Minh dagegen die Unterstützung der Amerikaner im Kampf gegen Japan zuteil geworden. Vorher war jedoch bereits durch die Potsdamer Konferenz im Juli 1945 die Teilung lndochinas am 16. Breitengrad beschlossen worden. Wobei die Chinesen das Gebiet nördlich davon und die Briten den südlichen Teil vorübergehend besetzen sollten. Die Chinesen erkannten die Unabhängigkeit Vietnams zunächst nicht an, sondern betrachteten das Land noch als französische Kolonie, in die sie ihre Besatzungstruppen entsandten. Diese Periode der chinesischen Besatzung in Vietnam war durch Revolten, Streiks und Hungersnöte gekennzeichnet und machte dem Land sehr zu schaffen. Politisch verhielten die Chinesen sich weitgehend neutral und zogen schließlich ihre Besatzungsmacht im August 1946 vollständig zurück.

Mittlerweile hatte Hô-chí-Minh für freundschaftliche Beziehungen zu den Chinesen Sorge getragen, was ihm die Missbilligung der vietnamesischen Nationalisten eintrug, gleichzeitig aber auch Verhandlungen mit den Franzosen aufgenommen, was freilich den Ausbruch des Vietnamesisch-Französischen Krieges (194́8-1954) nicht verhindern konnte. Dieser wurde ein Widerstandskampf und Guerillakrieg im Sinne Mao Zedongs, ähnlich den langjährigen Kämpfen der chinesischen Kommunisten. Dennoch war Hô zunächst noch auf ein gutes Verhältnis zur Guomindang bedacht, während gleichzeitig die chinesischen Kommunisten immer mehr Einfluss in Vietnam gewannen und dort am Guerillakrieg teilnahmen. Erst nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 gab Hô seine vorsichtig lavierende Politik auf und bekannte sich offen zu der Kommunistischen Partei Chinas.

Nach Gründung der VR China begannen Ende 1949 nationalchinesische Truppen nach Vietnam einzudringen und hofften auf ungehinderte Durchmarschmöglichkeit zu einem Hafen, von dem sie nach Taiwan gelangen könnten. Sie wurden jedoch von den Franzosen interniert und bis 1953 auf der Insel Phú-Quôc festgehalten. Erst dann durften sie sich nach Taiwan einschiffen. Nur ein geringer Prozentsatz der etwa 30.000 National-Chinesen siedelte sich in Vietnam an. In den Jahren nach der Gründung der VR China wurden die Beziehungen zwischen China und Vịêt-Minh immer enger. Nord-Vietnam bemühte sich, von Maos revolutionären Ideen zu lernen. Bereits 1950 erkannte Beijing die Demokratische Republik Vietnam an, und im Jahre 1951 fand ein Botschafteraustausch statt. Im Februar 1951 wurde nach chinesischem Muster die Vietnamesische Arbeiterpartei gegründet. Etwa um die gleiche Zeit wurde auch das vietnamesische Finanz- und Steuersystem nach chinesischen Ratschlägen reformiert. 1952 wurden ein Post- und ein Handelsabkommen zwischen China und Vietnam abgeschlossen. Außerdem erhielt die Vịêt-Minh Waffen und militärische Hilfe aus China, doch erstreckte sich diese Hilfe nicht auf ein Eingreifen chinesischer Truppen in den Vietnamesisch-Französischen Krieg.

Nachdem es den Nord-Vietnamesen gelungen war, die Franzosen bei Địên-Biên-Ph̉u entscheidend zu schlagen, wurden nach achtjährigem Krieg endlich Friedensverhandlungen aufgenommen. Am 21. Juli 1954 wurde das Genfer Abkommen unterzeichnet, das eine vorläufige Teilung Vietnams am 17. Breitengrad vorsah, hinter den sich die beiden gegnerischen Streitmächte (Nord-Vietnam und Frankreich) jeweils zurückziehen mussten. Diese Teilung Vietnams sollte jedoch nur vorübergehend sein und durch allgemeine freie Wahlen im Jahre 1956 aufgehoben werden. Zu diesen Wahlen kam es nicht. Vielmehr blieben die beiden Landesteile getrennt. Der Norden orientierte sich politisch, wirtschaftlich und sozial in Richtung China und erhielt von dort mancherlei Unterstützung. Der Süden stand weitgehend unter amerikanischem Einfluss.

Nachdem im vietnamesisch-amerikanischen Krieg die Sowjetunion Lieferungen von schweren Waffen an Nord-Vietnam zunächst ablehnte, sprang Beijing in die Bresche und lieferte Luftabwehrraketen, Flugabwehrgeschütze und Handfeuerwaffen. Auch Militärberater aus China gesellten sich zu ihren sowjetischen Kollegen dazu. Chinas Kommunisten sahen darin eine Chance, den Feind aus Moskau beim Rennen um Einfluss in Vietnam und im übrigen Indochina auszustechen. Auch wenn China (wie die Sowjetunion übrigens auch) niemals aktiv in das Kampfgeschehen eingriff, so blieb es zu jedem Zeitpunkt des Vietnamkrieges ein wichtiger, ja unverzichtbarer Verbündeter Nordvietnams. Neben dem Abschreckungseffekt, den die Hilfe aus dem Norden auf die Amerikaner ausübte, liefen alle Versorgungswege für die Nordvietnamesen über das Territorium der Volksrepublik China. 

nach oben

r-blau-40-57

r-blau-40-53

r-blau-40-54


[Vietnam Start] [Vietnam Übersicht] [Vietnam Allgemeines] [Vietnam Geschichte] [Vietnam Wirtschaft] [VietnamTourismus] [Vietnam Literatur] [Vietnam Künstler] [Vietnam Fotos] [Vietnam Hilfe]
[Vietnam Adressen/Kontakte] [Gastautoren] [Weltnachrichten] [Kontakt] [Disclaimer] [Impressum]

[Vietnam Shop]

erfolgreichsuchen1