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Che Lan Vien Tho - “Gedichte”
Dieser Gedichtband ist ein ganz außergewöhnliches Buch! Er enthält 33 Gedichte, die jeweils in deutscher und vietnamesischer Sprache auf leicht getöntem und strukturiertem Kunstdruckpapier abgedruckt sind. Zusätzlich enthält jedes Buch 13 Originalscherenschnitte des Malers und Graphikers Nguyen Gia Lam. Sie wurden in Vietnam sorgfältig aus farbigem Papier geschnitten und in das Buch eingeklebt. Jedes Buch ist also ein Unikat. Ein ausführliches Vorwort, stellt den Dichter und seine verschiedenen Schaffensperioden vor.
Phan Ngoc Hoan (1920 – 1989) ist einer der bekanntesten Lyriker Vietnams. Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband Ruinen (Dieu tan), der bereits unter seinem Künstlernamen Che Lan Vien veröffentlicht wurde - ein bewusstes Bekenntnis zur Abstammung aus der Cham-Minderheit. Seine Gedichte erzählen von den Kriegen in Vietnam, dem Mut der Kämpfer gegen den Kolonialismus und von der Liebe, die im Krieg nicht gelebt werden kann. Sie erzählen aber auch von der Natur und von der Sehnsucht nach dem Frieden. Besonders beeindruckt hat mich beim Lesen des Buches ein Gedicht, das in Vorwort abgedruckt ist und das Che Lan Vien 1985 während eines Besuchs in Deutschland geschrieben hat. Es lässt diesen Wunsch nach Frieden ganz besonders deutlich werden. Ich hatte das Glück, ihn während dieses Deutschlandbesuchs kennen zu lernen. Dieses Gedicht ist auch heute noch so aktuell wie vor 20 Jahren in der Zeit der atomaren Aufrüstung oder vor 30 Jahren, als auf seine eigene Stadt die Bomben vielen. Es lautet:
"Wann wird es auf unserem Planeten keine Bomben mehr geben? Nicht den Atomen, den Vögeln gehören die Wolken - und das Universum nicht dem Krieg, sondern den Sternen... Dann sprechen wir über Ho Chi Minhs Gedichte. Über Heines Verse, über die Liebe der Loreley, über Chrysanthemen."
In meiner Erinnerung taucht auch der große Strauß Chrysanthemen wieder auf, der damals neben dem Rednerpult stand, von dem aus er redete.
Leseprobe:
AUF DEM HEIMWEG
An einem azurblauen Tag verließ ich die Stadt Kehrte zurück zu den Bergen und Wassern der Heimat:
Ich sehe die Türme, die Ruinen der Tempel Vom Wetter gezeichnet - vom Warten verbraucht Verlassene Flüsse quälen sich durch die Finsternis Die Cham-Skulpturen seufzen unter den Wunden der Jahrhunderte.
Ich sehe die tiefen Wälder, die Wipfel der Bäume geneigt Tausend träumende Cham-Geister ziehen Hand in Hand Durch die endlosen Wälder, im Licht der Dämmerung, Voll lieblicher Düfte, und dem Gesang melancholischer Vögel.
Ich sehe das Schlachtfeld, wo die beiden Lager sich schlugen Das einsame Echo der Opfer, die für ihr Land starben, Tage und Nächte sprudelte grimmig das Blut der Cham Unablässig schrein die Gebeine der Cham nach Rache.
Schau auf die Szenen des Friedens im Land der Cham Auf die einsamen Dörfer im klaren Abendlicht Langsam kehren die Cham-Mädchen zum Dorf zurück Die Falten ihrer braunen und rosig glänzenden Kleider singen im Wind.
Schau auf die sonnendurchglänzten Paläste Die herrlichen Tempel am hellen Horizont Schau wie die Kriegsboote auf friedlichen Flüssen träumen Sieh den beschaulichen Gang der Tempelelefanten am Fuß der alten Mauern.
Schau in diesem Jadeglanz ein trügerisches Traumbild: Den Mandarinkönig der Cham, trunken von der elfenbeinfarbenen Haut Der Cham-Mädchen, die, dem Klang der Flöten nachträumend, Ihre Blumenkörper drehen und beugen im Takt der Melodien.
All das ist mir begegnet auf dem Weg nach Haus. Die versunkenen Tage und Nächte bedrängen mich Und seitdem ist mein Herz übervoll von Tränen Und einer sehnsüchtigen Zärtlichkeit für das Volk der Cham.
Che Lan Vien Tho - “Gedichte” ISBN: 3980397807 Xunhasaba, Hanoi und Freundschaftsgesellschaft Vietnam Düsseldorf, 2003 Bezug auch über FG-Vietnam@t-online.de
© Text: Stefan Kühner
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