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Wandlungen: vom Fremdenlegionär zum Pazifisten
Reinhard Ganz und Miroslav Prochazka treffen sich 1949 bei der Fremdenlegion in Algerien und werden bald darauf zum Einsatz im Kolonialkrieg der Franzosen von 1951 – 1953 in Vietnam kommandiert. Reinhard, Sohn aus einer nazibegeisterten Familie, hat sich von diesem Irrsinn abgewendet. Miroslav (Miros), Marxist und aktiv im tschechischen Widerstand gegen den Faschismus, kommt mit der sozialistischen Regierung in seinem Land nicht zerrecht. Sie werden Freunde und beide suchen etwas – ohne so richtig zu wissen, was eigentlich.
Weder der Drill der Legion noch der Kriegseinsatz in Vietnam verschütten aber ihre humanistischen Ideale. Im Gegenteil, die Zweifel, ob das, was da durch die Kolonialmacht Frankreich in Hanoi, dem Delta des Roten Flusses und oben im Norden in Dien Bien Phu getan wird, richtig ist, werden immer größer. Beide entwickeln sich zu Pazifisten.
Reinhard arbeitet als Dispatcher in der Versorgungsabteilung der Legion und nimmt in dieser Rolle teil an der Operation 'Condor', dem Aufbau der Festung in Dien Bien Phu. Bevor dort aber das große Gemetzel der Schlacht beginnt, hat er seinen Dienst beendet und kehrt nach Frankreich und später Deutschland zurück. In den letzten Tages des Aufenthalts verliert er aber den Kontakt zu seinem Freund Miros, der in der Festung Kampfdienst absolvieren muss. Dies beschreibt Dietrich Stahlbaum, der Autor des autobiographischen Romans, im ersten Teil des Buchs.
Der zweite Teil erzählt die Geschichte von Miros, die Stahlbaum erst vierzig Jahre später erfahren hat. 1995 erhielt er aus Vietnam ein Päckchen mit den Tagebüchern von Miroslav Prochazka, in denen er beschreibt, wie er mit Hilfe einer jungen Vietnamesin aus Dien Bien Phu desertieren konnte. Zusammen mit ihr und weiteren Deserteuren von beiden Seiten und Kriegswaisenkindern finden sie Zuflucht bei der Gruppe buddhistischer Mönche, die sich sowohl der südvietnamesischen Regierung als auch der Administration der DRV entziehen, und ein buddhistisches Friedensdorf gründen. Das auf tiefem Humanismus, Gewaltfreiheit und Einheit mit der Natur aufgebaute Dorfes verglüht 1964 aber im Feuersturm von Napalmbomben, die die US-Luftwaffe abgeworfen hat.
Ein authentischer pazifistischer Roman, unspektakulär und ohne Happy End aber gut und eindringlich erzählt. Er vermittelt über die Geschichte der beiden Männer hinaus, viel über die letzten Tage des Kolonialismus in Vietnam und im zweiten Teil über den Denkansatz des Zen-Buddhismus,
Der Ritt auf dem Ochsen oder Auch Moskitos töten wir nicht von Dietrich Stahlbaum
Karin Fischer Verlag, Aachen, 2000 3-89514-261-1, 15,00 Euro
© Text: Stefan Kühner
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