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Demgegenüber ist es in den ländlichen Gebieten der Tradition entsprechend auch heute noch üblich, dass die Grosseltern und Eltern nicht mit ihren Rufnamen angesprochen bzw. diese nicht genannt werden dürfen, so dass die Kinder deshalb anderen Rufnamen bekommen müssen.
Besonders romantisch ist es dann, wenn das Kind einen Rufnamen von einem Ort erhält, der für seine Eltern von besonderer Bedeutung ist, z.B. weil sie sich dort kennengelernt oder verliebt haben. Ein befreundetes Ehepaar von mir hatte sich während ihres Studiums in Weimar kennengelernt. Sie gaben der ersten Tochter den Namen „Vân Mai“, was zwar nicht „Weimar“ bedeutet, aber als Wortspiel gedacht war (Wai Ma). Es ist auch nicht selten, dass man den Kindern Namen von historischen Persönlichkeiten gibt:
Quang Trung (Name eines vietnamesischen Kaisers) Xuân Hương (Name einer vietnamesischen Dichterin)
Inzwischen ist es in Vietnam aber auch üblich geworden Kinder nach populären Künstlern (Sänger etc.) zu benennen. Hierzu fällt mir aber leider momentan kein Beispiel ein?.
Für vietnamesische Kinder, die in Europa geboren sind und hier auch aufwachsen und/oder einen nichtvietnamesischen Elternteil haben, empfiehlt sich ein Rufname ohne Akzent und nur mit einem Vokal, damit anderen eine korrekte Aussprache möglich wird. Namen wie „Hoàng Ðường“, „Hồng Hạnh“, „Minh Hiếu“, „Thanh Thảo“ u.s.w. sind sehr schöne Vornamen, aber für ungeübte „nichtvietnamesiche Zungen“ sehr schwer auszusprechen.
Wichtig ist vor allem zu wissen, dass manche vietnamesische Vornamen, wenn sie nicht korrekt ausgesprochen werden, ihren ansonsten schönen Klang verlieren oder sogar eine schlechte - und sicherlich von den Eltern nicht gewollte - Bedeutung bekommen können.
Dies möchte ich am Beispiel von „Thu Vân“ (Herbstwolke) deutlich machen.
Die meisten Deutschen würden „Thu Vân“ wohl wie „Tu Fan“ aussprechen, was der Vietnamese als „Thu Phân“ verstehen würde, was Mitte Herbst im meteorologischen Sinne bedeutet.
Besonders fatal wäre es nur den Rufnamen „Vân“ ohne den Zwischennamen falsch auszusprechen, denn das bedeutet „Dünger“ oder „Mist“ (Phân) und wer will schon so angesprochen bzw. gerufen werden. Ein Vornamenbuch gibt nach meiner Kenntnis noch nicht und wird es wohl auch nicht geben, da theoretisch (fast) jeder Rufname möglich ist und dieser von keiner Behörde (wie in Deutschland bei außergewöhnlichen Vornamen) genehmigt werden muss. Ich kenne Eltern, die ihr Kind Bắc Kinh (chinesische Hauptstadt Peking) oder Natascha genannt haben.
Ich finde das wunderbar und wünsche Euch viel Fantasie beim Finden des „richtigen“ Rufnamen für eure Kinder.
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