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Quynh & Phung

Meine erste Begegnung mit Vietnamesen und deren Kultur geht ins Jahr 1979 zurück und seither beschäftige ich mich mal mehr mal weniger mit Vietnam. Im Moment sehr Intensiv sogar. Um diese Kultur wirklich verstehen zu wollen muss man eine Reise ins innere machen und auch einen inneren Wandel vollziehen der auch ab und zu sehr schmerzhaft sein kann, weil man dadurch an Grenzen kommt wo man sich Bewusst wird dass wir Westler uns zu wichtig nehmen. Nur wenn man diese Reise und dieser Lernprozess zu 100% annimmt und ja zu allen „Lehrgängen“ sagt, egal wie schwer und Schmerzhaft dieser Weg sein mag , nur dann wird man die wahre Schönheit dieser Kultur langsam aber sicher verstehen können und auch gewisse Dinge Nachvollziehen können. Nicht zu 100% denn das werden wir Westler nie erreichen, aber nahezu! Dann und nur dann wird man die Freude spüren, das Glück, die Feinheiten und die Schönheit die diese Kultur mit sich bringt! Viele die sagen, sie interessieren sich für diese Kultur, geben nach den ersten Schwierigkeiten auf, weil es wirklich nicht einfach ist. Ich kämpfe mich durch! Aber das geht nur, weil ich 2 sehr gute und sehr geduldige Ansprechpartner habe die mir alle Fragen beantworten die ich habe! Und dafür danke ich den beiden sehr!

In meiner Jugendzeit und auch als junge Erwachsene habe ich nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht mit vietnamesischen Frauen. Doch ich gab jeder vietnamesischen Frau die Chance mir zu zeigen dass meine Meinung falsch ist. Leider ohne Erfolg. Lag es an mir? Wollte ich nicht verstehen, oder war mein Horizont von der westlichen Lebensart und von meiner eigenen Überzogenheit so vernebelt? Ich wusste es nicht. Trotzdem gab ich mir Mühe herauszufinden warum ich nicht hinter das Geheimnis kam. Nach ein paar sehr schlechten Erlebnissen gab ich die Hoffnung auf und schmiss alle Vietnamesinnen in den gleichen Topf!
Da fiel ich in eine sehr tiefe Krise und lernte in dieser Zeit übers Internet einen jüngeren Vietnamesen kennen der in der Schweiz wohnt. Er lebt zusammen mit seiner Frau und dem Kind. Eines Tages, kurz nach Weihnachten luden sie mich zu sich nach hause ein. Ich nahm die Einladung an, trotz Angst und Bedenken. Denn Quynh kannte meine Abneigung zu Vietnamesinnen. Da ich als Dank für die Einladung auch etwas beisteuern wollte, kaufte ich viele Lebensmittel und wollte bei ihnen kochen! Mit jedem Kilometer den ich fuhr stieg meine Angst und Nervosität, aber ich freute mich auch darauf. Irgendwie. Meine grösste Angst aber war, dass ich kein Fettnäpfchen auslassen werde. Doch diese Angst war, wie sich später zeigte völlig unbegründet!

Als Quynh mich vom Bahnhof abholte sagte er, dass seine Frau ihn sehr nervös geweckt hätte weil doch jetzt seine ältere Schwester kommt! Da die beiden jünger sind als ich werde ich als Chi, also ältere Schwester angesprochen. Ich war extrem Scheu und unsicher. Das Eis wurde gebrochen als Huong meine Einkaufstüten sah! Wir packten sie sofort zusammen aus und fingen auch bald an gemeinsam zu kochen während Quynh meinen „neuen“ Computer aufsetzte. Ohne viele Worte ging jede Bewegung von uns Frauen irgendwie Hand in Hand. Ich beobachtete einfach und ahmte nach. Huong zeigte mir sogar nebenbei noch, wie man „CHE CHUOI CHUNG“ (Bananencreme) macht. Die kleine Phung schien auch nicht allzu grosse Bedenken zu haben sich mir zu nähern, was mich sehr freute und auch berührte. Denn sonst nehmen doch Vietnamesische Kinder eher reiss aus vor Fremden. Nicht so die kleine Phung. Sie setzte sich auch zu mir auf die Schoss und ich konnte sie füttern.
Am anderen Morgen frühstückten Huong, die kleine Phung und ich gemeinsam. Quynh schlief noch. Da geschah für mich etwas, mit dem ich nie und nimmer gerechnet habe. Huong erzählte mir ihre ganze Lebensgeschichte. Trotz ihres schweren und harten Lebens das sie vorher hatte, ist sie eine Bescheidene liebevolle Frau, die vor allem nicht verbittert ist! Ihr Mann arbeitet hart und versucht alles, damit die 3 es gut haben und vor allem aber zeigt er Huong, dass er sie von ganzem herzen liebt!

Ich ging mit sehr berührtem Herz nach hause zurück in meine Welt, denn noch nie hat sich eine Vietnamesin mir so anvertraut wie Huong und ich wurde auch noch nie so herzlich, natürlich und Gastfreundlich empfangen! Jedes mal wenn Quynh und ich telefonieren fragt Huong, wann ich wieder komme! Ich werde wieder gehen, das verspreche ich! Und mich überkommt jedes Mal wenn ich an diese Familie denke eine grosse Dankbarkeit dass ich sie kennen lernen durfte. Diese Familie lebt sehr Bescheiden und ist dennoch glücklich! Sie trotzen allen Widrigkeiten. Und was noch wichtiger ist, mein Bild über Vietnamesinnen hat sich zum Positiven verändert.

© Manuela

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