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Als ich wieder einmal in Saigon am Flughafen ankam, fiel mir auf, dass die Abstände zwischen den Landungen der ankommenden Flieger viel kürzer waren als ich es von meinen vormaligen Besuchen her kannte. Auch stellte ich fest, dass der Flughafen Tân Sơn Nhất baulich erweitert wurde. Statt der damals zwei Abfertigungsschalter waren es jetzt viel mehr und sie befanden sich auch in einer völlig neuen Abfertigungshalle. Trotzdem dauerte es lange, bis ich durch die Passkontrolle gehen konnte. Auch draußen sah es so aus, als wenn man eine weitere Landebahn bauen würde. Bei meinem nächsten Besuch werde ich sehen, ob das zutrifft. Als ich endlich die langwierige Passkontrolle hinter mir hatte, holte ich mein Gepäck und musste durch die Gepäckkontrolle. Dann konnte ich den Flughafen endlich verlassen. Wie gewöhnlich warteten vor dem Flughafengebäude sehr viele Vietnamesen auf ihre Angehörigen, Freunde oder sonstigen Besucher. Mit einem Taxi oder einem der zahlreichen Honda-Taxis gelangt man dann in das Innere der Stadt. Wobei man wegen des Gepäcks ein größeres Verkehrsmittel als eine Honda benötigt. Aber im allgemeinen ist sie für Saigon das effektivste Fortbewegungsmittel. Doch später mehr dazu.
Viele neue moderne Hotelgebäude, Supermärkte, Kaufhäuser und Boutiquen waren in den letzten Jahren entstanden. Namen wie Swiss Watch, Giorgio Armani, Gianni Versace sind an edlen Boutiquen zu lesen. Allerdings bekommt man die teuren Originale auch nur in diesen Geschäften. Wie in China werden auch in Vietnam bekannte Markennamen gefälscht, was das Zeug hergibt und dann als Massenware angeboten. So bekommt man zum Beispiel einen vermeintlichen Versace-Ledergürtel schon für 8 bis 10 Euro. Vielerorts wurden große Kaufhäuser und Supermärkte errichtet. So wie wir es auch aus Europa gewöhnt sind. Dort werden unter anderem auch Waren aus dem Ausland angeboten. Bei vielen Vietnamesen gilt es aus notrePrestigegründen als schick ausländische Produkte zu erwerben, allerdings wohl eher nur für wohlhabende Einheimische. Als ich die Preise für eine Kognakflasche sah kamen mir Gedanken in den Kopf wie zum Beispiel, dass man mit dem Preis einer solchen Kognakflasche vielen Kindern genug zu essen geben könnte. Doch wer das Geld dafür ausgeben möchte, warum nicht. Derartige Supermärkte und Kaufhäuser haben schon einige traditionelle Märkte verdrängt. Übrigens sind die Warenpreise in derartigen Einkaufstempeln fix, also kaum verhandelbar. Ganz im Gegensatz zu den vielen traditionellen Märkten. Prinzipiell muss dort gehandelt werden. Sonst bezahlt man einen erhöhten Preis. Vor allem Ausländern werden angebliche Schnäppchenangebote unterbreitet. Hinterher stellt sich aber schnell heraus, dass man in Wirklichkeit den doppelten oder gar dreifachen Preis wie üblich gezahlt hat. Also heißt die Devise: Preise verhandeln und nochmals verhandeln. Selbst wenn man in USD oder Euro umrechnet und sich sagt, dass man billig kaufen würde, so kann man durch geschicktes handeln gewisse Relationen einhalten. Aber bitte nicht in einem rüden Ton. Denn man kann ein solches Gespräch auch freundlich gestalten. Manchmal macht das bei einem gutgelaunten Händler sogar Spaß und es ist mit einer Würze Witz ein Vergnügen. Oft wende ich folgenden Trick an: Obwohl mir der Verkäufer preislich schon entgegengekommen ist, tue ich so, als ob ich kein Interesse hätte und entferne mich langsam von seinem Verkaufsstand. Oftmals kommt er dann hinterher und unterbreitet ein besseres Angebot. Klappt sehr oft!! Der vietnamesische Dong kennt keine Münzen. Deshalb hält man eine große Menge Papier in der Hand. Deshalb sollte der mit dieser Währung nicht vertraute Ausländer das vom Verkäufer herausgegebene Geld genauestens nachzählen. Hierzu eine lustige Geschichte: Als ich in einer Markthalle die Toilette aufsuchen musste, rief mir die Kassiererin laut zu, dass ich gefälligst vorher 1.000 Dong zu zahlen hätte. Aus Mangel an Kleingeld reichte ich ihr einen 100.000 Dongschein. Heraus bekam ich 19.000 Dong. Immerhin noch ein großer Packen Papier, wenn er in kleineren Geldscheinen gehalten ist. Für vietnamesische Verhältnisse ist ein 81.000 Dong-Toilettenbesuch durchaus “nobel” zu nennen.
In den Straßen, Cafes und Einkaufspassagen wird man häufig von Bettlern sowie Verkäufern von Kaugummi, Zeitungen, Bildern, Brillen und Feuerzeugen angesprochen. Oftmals ist dies eine wahre Plage. Ich möchte hierzu nur einige wenige Worte verlieren. In einzelnen Fällen werden in Vietnam Kinder von ihren Verwandten verstümmelt, damit hotdiese später als Bettler Mitleid erregen. Alte Frauen mit Kleinstkindern aus Bauernfamilien versuchen in den Städten zusätzlich Geld zu erbetteln. Klar ist, dass das nicht die Masse der Bettler ist. Aber man sollte beachten, dass man Bettlern nicht wirklich hilft, indem man ihnen einen Kleinbetrag in die Hand drückt. Damit bekämpft man keine Armut. Wenn man solche Ambitionen hat, dann spendet man besser Geld für Kinderpatenschaften, Waisenhäuser, Behindertenheime oder für die Menschen, die in den Zeitungen um Hilfe bitten. Oftmals nehmen Erwachsene später den bettelnden Kindern das Geld wieder ab. Dann gibt es noch die Musikanten, Schuhputzer und Kaugummiverkäufer. Diese verstehen sich in Vietnam nicht als Bettler, weil sie ihren Stolz behalten und niemanden um Geld anbetteln. Sie kommen zu einem und bieten einem zum Beispiel Kaugummis an. Hat man Mitleid mit ihnen, gibt man ihnen einen Kleinbetrag. Und andererseits bieten sie ja auch etwas für das Geld . Zusätzlich sieht man noch die Mönche. Hier ist Vorsicht geboten. Nicht jeder ,der wie ein Mönch aussieht, ist auch einer. Es gibt viele Betrüger. Ein echter Mönch geht barfuß die Straße mit gesenktem Blick entlang. Wenn jemand für das Kloster spenden möchte, kann er gerne Geld in seine Büchse tun. Die Betrüger bitten um Spenden oder klingeln an Türen. Äußerlich sehen sie genauso wie Mönche aus.
Als größter Schock für einen Ausländer könnte sich der Straßenverkehr in Saigon erweisen. Millionen von Hondas, Fahrrädern, einigen wenigen Bussen, Lkws und in letzter Zeit sogar Privatautos verstopfen permanent die Straßen. Zu manchen Zeiten ist die Luft derart mit Blei und Abgasen verpestet, dass man meint ,die Lunge erhält keinen Sauerstoff mehr. Es ist eine Umwelt- und Gesundheitskatastrophe höchsten Ausmaßes. Die Regierung versuchte den Zuwachs von Hondas durch ein generelles Verbot von Neuzulassungen zu verhindern. Ein hoffnungsloses Unterfangen, welches erst kürzlich wieder abgeschafft wurde. In den vietnamesischen Medien wurde davon berichtet, dass man in die Modernisierung und vermehrte Produktion von Bussen, sowie in Kfz-Werkstätten investiert. Zum Beispiel wurden in Hanoi Buslinien geschaffen. Das Fahrticket kostet so um die 15 Cent und die Monatskarte ist ebenfalls sehr preiswert. Das sind akzeptable Fahrpreise. Ein Problem besteht aber darin, dass amtliche Papiere und Dokumente in Vietnam im massiven Umfang gefälscht werden. Man kann alles gefälscht bekommen. Zum Beispiel kostet ein gefälschter Führerschein so um einen Euro. In Saigon war aber von dem neuen Busprogramm nichts zu bemerken. Die paar Busse, die dort fuhren, waren uralten Datums und stießen große schwarze Abgaswolken aus. Die ideale Lösung für Saigon und seinen täglich Millionen von Verkehrsteilnehmern wäre eine Untergrundbahn, deren Tickets nicht teurer als die Nutzung eines Hondas wäre. Verbunden mit einer Vernetzung der U-Bahnstationen durch moderne Busse würde das die Lösung bieten. Allerdings, wer soll die vielen Milliarden Investitions- und Betriebskosten tragen? Also ist dieser Gedanke angesichts der bestehenden Realitäten nur eine Utopie. Ich rate jedem davon ab eine Honda zu mieten und zu versuchen, selbst damit im Stadtverkehr zu fahren. Das ist sehr gefährlich. Denn bei diesem Verkehrsge-wühl ist zwar in der Regel keine gegenseitige Aggression zu beobachten, aber es gibt auch unter den Vietnamesen Verkehrsrowdies, die andere Verkehrsteilnehmer gefährden .In Saigon kommt es selbst für erfahrene Verkehrsteilnehmer zu heiklen und gefährlichen Situationen. Und in dieser Stadt sind nicht innerhalb von Minuten ein Krankenwagen und ärztliche Versorgung zur Stelle! Ich würde nur den Ausländern, die im Fahren von Zweirädern geübt sind und schon längere Zeit in Vietnam leben , raten mit Hondas durch Saigon zu fahren!
Ausländische Touristen sind in der Regel nur im Zentrum rund um die Hotelburgen zu sehen, Taiwanesen, Koreaner und Japaner mal ausgenommen. In den anderen Stadtbezirken Saigons sind Reisende aus Europa, den USA oder Australien selten anzutreffen. Jedenfalls habe ich dort noch nie einen von ihnen beobachten können. Dort gibt es zwar auf dem ersten Blick auch keine besonderen touristischen Attraktionen, aber trotzdem ist viel Interessantes zu be-trachten: Tempel und Kirchen der verschiedensten Religionen und Glaubensrichtungen, sehr gute Restaurants und natürlich kann man in den anderen Stadtbezirken die Einheimischen in ihrem Alltag besser beobachten als im Zentrum Saigons. Wer dann von Saigon ausgehend ins Landesinnere reisen möchte, der mietet sich am besten einen Kleinbus mit Klimaanlage und Fahrer. Man kann nicht wie in anderen Ländern einfach ein Auto mieten und selbst fahren. Es gab neuerdings Gerüchte, dass das heutzutage möglich wäre. Doch das bestätigte sich bisher nicht. Es empfiehlt sich aber auch aus den gleichen Gründen wie oben genannt nicht. Einige Nationalstraßen Vietnams wurden zu Autobahnen ausgebaut. Doch was sich dort abspielt, ist nicht weniger gefährlich als der Verkehr in der Stadt Saigon. Ich war vor allem von dem umfangreichen Güterverkehr durch Lkws überrascht. Die Nationalstraßen sind genauso von Lkws frequentiert wie man es in Deutschland gewohnt ist. Und deren Bremsen würde ich auf keinem Fall trauen. Es gibt zwar Verkehrsregeln, aber sie werden kaum eingehalten. Man geht einfach auf Kollisionskurs und reißt erst in der letzten Sekunde vor einem Zusammenprall das Steuer herum. Es kann auch passieren, dass man gerade rateinen Lkw überholt und im selben Augenblick der Fahrer eines anderen Autos versucht an einem vorbeizuziehen. Gleichzeitig überholt auf der Gegenfahrtrichtung ein anderes Auto ebenfalls einen Lkw und am Seitenstreifen fahren Hondas . Für gewöhnlich geht das am Ende doch noch gut aus. Aber vertrauen sollte man darauf keineswegs. Denn Verkehrsunfälle sind eine der Haupttodes-ursachen in Vietnam. Also überlässt man das Fahren einem einheimischen Fahrer eines vietnamesischen Touristikunternehmens. Das ist gar nicht teuer. Man mietet sich, wie schon gesagt, einen solchen Bus mit Fahrer und der kümmert sich um alles. Man sagt ihm, wo man hinfahren und wo man halten will. Und wenn man ihn freundlich behandelt und ihn zum Beispiel auch an den eigenen Tisch zum Essen einlädt, kann ein sehr freundschaftliches Verhältnis entstehen, wodurch der Fahrer sich für einen noch mehr Mühe gibt.
Es gäbe hier noch viel mehr zu erzählen. So zum Beispiel über das postvietnamesische Essen, die neu entstandenen Clubs und Cafes, wo vietnamesische Stars oder welche, die es noch werden wollen, live auftreten, Über die Menschen in Saigon, über die Sehenswürdigkeiten der Stadt, die schönen Frauen, über den tollen Service am Kunden, der vor allem einen Deutschen überwältigt und vieles mehr. Doch ich denke, dass ich mir das für später aufhebe und hier vorerst einmal einen kleinen Vorgeschmack auf Saigon gegeben habe. Abschließend will ich nur noch erwähnen, was ich schon auf der Seite “Erinnerungen an Vietnam” geschrieben hatte. Es gibt viele schönere Städte in der Welt als Saigon. Aber trotzdem, wenn man einmal dort gewesen ist und wieder abreist, hat man das starke Gefühl schnell wieder dort sein zu wollen. Viele Leute die ich sprach, hatten mir etwas Ähnliches mitgeteilt.
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