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Der vietnamesische Staat und Königtum

Das chinesische Reich war nicht nur im Süden in sieben Königreiche zerfallen, sondern auf seinem gesamten Gebiet in Chaos und Anarchie aufgelöst. Ein zusätzliches Problem bestand darin, dass die K’i Tan, eines der mongolischen Völker, 936 von den Chinesen ins Land gerufen wurden und diese Mongolen das heutige Peking beherrschten. Dieser Umstand war der Grundstein für die im 13. Jahrhundert stattfindende Eroberung Chinas durch die Horden Dschingis Khans.

In Vietnam herrschte nicht weniger Unruhe, als im chinesischen Reich. Unter dem vietnamesischen Adel, insbesondere deren Generälen und Fürsten bestand Zwist, der sich mal in Form von Intrigen und zum anderen in offene kriegerische Auseinandersetzungen offenbarte. Unter Ngô Quyên wurde die erste nationale Dynastie gegründet. Zur Hauptstadt wurde Cô Loa auserwählt, welche schon Hauptstadt des Königreiches Âu Lac war. Die ständigen Kriege zwischen den regionalen Fürstentümern führte zu einer Schwächung des Könighauses. Am Ende hatte der König nicht mehr Macht als die anderen Fürsten. Das vietnamesische Volk wurde durch diese anhaltenden Kämpfe des Adels in seiner Existenz bedroht, weil die Landwirtschaft durch diese Kriege stark behindert wurde. Und von aussen bestand mehr und mehr die Gefahr durch die Eroberungszüge der Sung, die dabei waren ganz Südchina zu erobern. Doch in Person des Đinh Bô Lin, der aus Hoa Lư (Ninh Binh) stammte, entsprang Hoffnung für das Volk. Die Tüchtigkeit und bemerkenswerte Fähigkeit Menschen zu führen, war Đinh Bô Linh schon seit Kindheit eigen. Zwangsläufig erkannten auch seine Dienstherren seine besondere Tüchtigkeit und Intelligenz und übergaben ihm den Befehl über die Truppen. Aufgrund seiner militärischen Siege im Kampf gegen die Armeen der Ngô, gab man ihm den Namen Van Thăng Vương (“König der zehntausend Siege”). Im Jahre 968 errang er den kaiserlichen Titel Đinh Tiên Hoang Đê, “Erster erlauchter Herrscher der Đinh Dynastie”. Er wählte Hoa Lư als Hauptstadt und befestigte diese. Missgunst und Machtgier, verbunden mit Aberglaube am Hofe führten zu neuen Intrigen. Đinh Tiên Hoang selbst wurde 979 ermordet. Es folgte ihm Đinh Tuê auf den Thron.

981 unternahmen zwei chinesische Armeen den erfolglosen Versuch wieder die chinesische Oberherrschaft zu errichten. Nach zwei Niederlagen zogen sie sich wieder zurück und schlossen mit Đinh Tuê, der inzwischen den Namen Lê Đai Hanh trug, einen Friedensvertrag. Begünstigt wurde die Entscheidung der Sung dadurch, weil sie sich selbst der Angriffe der K’itan erwehren mussten, die es sich zum Ziel gemacht hatten Peking zurück zu erobern. Der Friede mit den Sung ermöglichte es, dass der Kaiser einen Feldzug gegen Champa führen konnte, denn inzwischen hatte Champa versucht einen Prinzen der früheren Ngô Dynastie zu unterstützen und gegen den Kaiser zu Felde zu ziehen. Dies jedoch endete in einem Fiasko und der Prinz verlor sein Leben, als die Flotte Champas in einem Sturm vernichtet wurde. Des Kaisers Kriegszug war ein Erfolg. Er eroberte Indrapura und zerstörte es. Trotzdem setzte das Königreich Champa seine Feindseligkeiten gegen des Kaisers Königreich Đai Cô Viêt weiter fort, konnten aber keine wesentlichen Erfolge erringen. Deshalb und weil seine Hauptstadt Indrapura von seiner Lage her zu gefährdet war, verlegte der König von Champa seine Hauptstadt nach Vilaya. Lê Đai Hanh dagegen war gezwungen sich um sein Kaiserreich zu kümmern. Zahlreiche Mương-Dörfer von Ha Man wurden gewaltsam befriedet. Der Kaiser teilte das Kaiserreich zur Verwaltung unter seinen Söhnen auf, ohne etwas an der traditionellen Gliederung zu ändern. Damit erreichte der Kaiser die direkte Kontrolle des gesamten Landes und seiner Grenzen. In seiner Regierungszeit errichtete Lê Đai Hanh die Fundamente Vietnams.

Nach seinem Tod 1005 tobte unter seinen Söhnen ein unerbittlicher Kampf um die Macht. Tragischerweise sollte Long Đinh als Sieger aus diesem Machtkampf herorgehen. Er war extrem grausam und schreckte selbst vor der barbarischsten Folter buddhistischer Priester nicht zurück. Seine hemmungslose und unmoralische Lebensweise ruinierte allerdings auch seine eigene Gesundheit. Als er verstarb ernannte der Hof die hohe Mandarinin Ly Công Uân zur Regentin, weil der Sohn Long Đinh’s noch ein Kind war.

In den Augen der Dynastien hatten die buddhistischen Bonzen die Aufgabe zu erfüllen, dafür zu sorgen, dass das Volk folgsam sowie unterwürfig gegenüber seinen Herrschern ist. Als Gegenleistung förderten die Herrscher den Buddhismus und Taoismus und zogen Bonzen zu ihren wichtigsten politischen und militärischen Beratungen hinzu. Dadurch gewann der buddhistische Klerus einen wesentlichen Einfluss auf die politischen Geschicke Vietnams. Immer wieder bekämpften sich der vietnamesische Adel untereinander und zielten darauf ab das Reich zum eigenen Vorteil zu zersplittern. Das Volk jedoch wollte Frieden und die Einheit des Landes. Erst die spätere Dynastie der Ly sollte wieder eine starke vietnamesische Monarchie mit einer regulären, zentralisierten Verwaltung bilden.

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Quelle: Zusammenfassung orientiert nach der Darstellung von “3000 Jahre Vietnam” von Lê Thành Khôi
Kindler Verlag GmbH München, Ausgabe 1969


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