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Über das Königreich Nam Viêt

Ch’in Shih Huang Ti einigte das damalige China und rief das Kaiserreich aus. Später, im Jahr 221 v. Chr. richtete er seine Aufmerksamkeit auf das Yang Tse-Becken. Dieses war zu dieser Zeit von den Viêt- Stämmen bewohnt. Mit fünf Armeen mit insgesamt 500.000 Kriegern fiel der General Đô Thư in das Land der Viêt ein um es zu erobern. Die Viêt von Đông Âu und die Mân (Min) wurden dann auch von den Chinesen besiegt. Nach diesem schnellen Sieg wurde die Kommandantur von Min Chung gegründet. Bei Min Chung handelt es sich um das Gebiet des heutigen Che Chiang und Fu Chien. Als diese Aufgabe erledigt war, wandten sich die Chinesen der Überschreitung des Fünf-Pässe-Gebirges zu um die Hundert Viêt des Hsi Chiang-Tales zu vernichten. Zu diesem Zweck und um den Nachschub nach Hsing An zu sichern, erbaute man einen Kanal durch das Fünf-Pässe-Gebirge. Der Kampf begann. Aufgrund der Übermacht der Chinesen konnten die Tây Âu nicht im offenen Kampf gegen sie bestehen. Deshalb gingen sie zum Guerillakampf über. Dadurch war der Feind für die Chinesen nicht mehr zu fassen und sie beschränkten sich bestimmte Gebiete mittels Garnisionen zu kontrollieren. Unter den chinesischen Truppen machte sich Hunger breit, weil die Lebensmittel knapp wurden. Als dann die Tây Âu eines Nachts über die Chinesen herfielen und der General Đô Thư getötet wurde, war eine Niederlage für die chinesischen Truppen unausweichlich. Eine Hilfsarmee unter dem General Triêu Đa marschierte ein, die u.a. aus Verbannten, Verbrechern und Landstreichern bestand. Diese Hilfsarmee besetzte erneut das Land und es wurden sehr viele Garnisionen gegründet sowie das Land gleichzeitig durch die Soldaten kolonialisiert die ja aus dem chinesischen Königreich verbannt wurden. Diese erneute Besiedelung der Gebiete von Nam Viêt setzte sich noch viele Jahre fort.

Im Jahr 210 starb der chinesische Kaiser . Weil sein Sohn ein schwacher Kaiser war erhob sich im gesamten China der Adel und bekämpfte sich gegenseitig um die jeweiligen Landesteile des chinesischen Kaiserreiches für sich zu gewinnen. Anarchie und Unruhen waren die Folge. Nhâm Ngao, Statthalter von Nanhai konnte seinen Plan sich der Zentralgewalt des chinesischen Kaisers zu entziehen und sein eigenes Königreich zu erschaffen nicht verwirklichen, weil sein Tod dies verhinderte. Deshalb übertrug er seinem Sohn Triêu Đa noch vor seinem Tod die Aufgabe, im Süden ein unabhängiges Königreich zu errichten. Triêu Đa vergrösserte seine Macht, in dem er alle dem chinesischen Kaiser ergebenen Beamten ermorden liess und die zwei angrenzenden Kommandanturen und das Königreich Âu Lạc eroberte. Daraufhin proklamierte er sich nach dem Sturz der Dynastie Ch’in zum König der Nam Viêt. Seine Hauptstadt wurde Phiên Ngu. Wärend dessen begründete Liu Pang, der sich im Norden des chinesischen Kaiserreiches mit dem Statthalter Hsiang Yü bekämpfte und diesen besiegte, im Jahr 202 die Dynastie der Westlichen Han. Zwar anerkannten die Han im Jahr 196 offiziell das Königreich Nam Viêt, doch kam es immer wieder zu Repressalien durch das chinesische Kaiserhaus. Die chinesische Kaiserin Lü verbot später u.a. den Export von Gold, Eisen, landwirtschaftlichen Geräten. Dadurch geriet Triêu Đa in grenzenlose Wut und rief sich im Jahr 183 zum Herrscher aus. Das von den Han ausgesandte Heer sollte ihn dafür strafen, konnte diese Aufgabe nicht erfüllen, weil die meisten Krieger des Heeres an Krankheiten zugrunde gingen. Nach dem Tod der Kaiserin Lü versöhnte sich Triêu Đa mit China und die angrenzenden Königreiche Mân Viêt und der Tây Âu überbrachten Triêu Đa ihre Huldigungen. Die Mân Viêt nahmen schon ab dem jahr 156 Beziehungen zu China auf. Aber es wurde ihnen vom chinesischen Kaiserhaus verboten, die Oberherrschaft Nam Viêts an zu erkennen.

Der mächtige Herrscher Han Wu Ti begründete das Zeitalter des chinesischen Imperialismus in Asien. Beginnend mit seiner Herrschaft eroberte und annektierte China grosse Landstriche im Norden, Westen und Süden des Kaiserreiches. Im Jahr 138 schickte der Kaiser den Gesandten Chang Ch’ien vergeblich aus, um den Skythen ein Bündnis vorzuschlagen. Doch der Gesandte erzählte dem Kaiser eine Neuigkeit, welche später zu einer Entwicklung mit gewaltiger Tragweite führte. Der Gesandte berichtete von einem reichen Land Shen Tu, dem heutigen Indien und einem Handelsweg auf dem Karawanen Handelsgüter aus dem Süden Chinas bis nach Afghanistan beförderten. Chang Ch’ien unterbreitete dem Kaiser den Vorschlag, einen Handelsweg nach Süden zu erschaffen, um mit den westlichen Königreichen Handel zu betreiben.

Die Mân Viêt überfielen, zwei Jahre nach der Tronbesteigung durch Văn Vưưng, den Sohn von Triêu Đa, Nam Viêt. Văn Vương beging den Fehler die Han um Hilfe zu bitten. Die zur Hilfe gerufenen chinesischen Truppen besiegten das Königreich Mân Viêt. Aber ein Offizier des chinesischen Generals, namens T’ang Mong, entdeckte die Bedeutung eines Flusses auf dem ein reger Handel zwischen der Stadt Yeh Lang und der Hauptstadt von Nam Viêt stattfand. Der Kaiser lies die Strasse durch die unzugänglichen Gebirge und Waldgebiete, welche von Birma nach Indien führte erkunden. Nachdem Nam Viêt von Aufstände erschüttert wurde, brachte der Kaiser Wu Ti ganz Südchina in seine Gewalt. Der Sohn von Văn Vương heiratete eine Chinesin, welche gute Kontakte nach China hatte. Nach dem Tod ihres Gatten empfing sie Wu Ti’s Botschafter Shao Chi und dieser überredete sie Nam Viêt dem Han-Reich zu unterwerfen. Als dieser Verrat bekannt wurde ermordeten die Adligen von Nam Viêt die Regentin und ihren Sohn. Sie besiegten die herbeigeeilten Truppen der Han und riefen Kiên Đưc, ältester Sohn von Minh Vương und einer nam-vietischen Mutter, zum neuen König aus. Wu Ti’s Rache sollte nicht lange auf sich warten lassen. Ein starkes Heer eroberte Nam Viêt und brannte die Hauptstadt Phiên Ngu nieder. Der König Kiên Đưc wurde gefangen genommen. Der chinesische General Po Te eroberte das ganze Land bis nach Ho P’u. Die Königreiche Yeh Lang, Tien und Tung Ou unterwarfen sich ebenfalls den chinesischen Eroberern. Im Jahr 108 liess Wu Ti im Norden auch das koreanische Königreich besetzen.

Als das Römische Reich im Westen Nordafrika und die mittelländische Welt beherrschte, entstand ein gigantisches chinesisches Reich welches sich bis nach Zentralasien ausdehnte. Der unter dem Namen “Seidenstrasse” bekannt gewordene Handelsweg wurde ständig weiter ausgebaut und eine Verbindung zwischen Birma und Indien geschaffen, auf der später der Buddhismus nach China gelangte.

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Quelle: Zusammenfassung orientiert nach der Darstellung von “3000 Jahre Vietnam” von Lê Thành Khôi
Kindler Verlag GmbH München, Ausgabe 1969


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