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Champa und das Protektoriat Annam

Unter den T’ang, welche um das Jahr 619 die Sui auf dem Thron ablösten, wurde im Jahr 622 das Generalgouvernement von Giao in Annam umstrukturiert. Das Flachland übernahm die regulären Verwaltung und die Bergregionen wurden zum Teil chinesischen Präfekturen und zum anderen Teil Sonderdistrikten, welche von den einheimischen Führern verwaltet wurden, unterstellt. Dieses System fand in allen eroberten Gebieten des chinesischen Reiches Anwendung. Giao Châu wurde von der Herrschaft der T’ang in einem Masse unterdrückt wie noch nie von einer anderen chinesischen Dynastie vorher. Im Jahr 722 scharrte der Mương-Häuptling von Thiên Lôc, Mai Thuc Loan, die Bergvölker um sich und widersetzte sich im bewaffneten Aufstand der chinesischen Unterdrückung. Unterstützung fand er bei seinem Kampf von Champa und somit gelang es ihm die Hauptstadt des Protektorats Tông Binh einzunehmen. In Hoan Châu liess Mai Thuc Loan eine Festung erbauen und rief sich zum Kaiser aus und wurde wegen seiner schwarzen Hautfarbe Hăc Đê (Schwarzer Kaiser) genannt. Doch seine Herrschaft sollte nur von kurzer Dauer sein, weil er sich vor der herbeieilenden chinesischen Armee ins Gebirge zurückziehen musste. Noch heute sind auf dem Berg Vê Sơn im Distrikt Nam Đương der Provinz Nghê An Reste seiner Festung zu besichtigen. Diese ist berühmt unter dem Namen Van An Thanh (“Stadt des ewigen Friedens”) und unweit von ihr wird das Andenken an Mai Hăc Đê in einem Tempel gepflegt. Später, im Jahr 767 plünderten Seeräuber Giao Châu, wurden aber von den chinesischen Truppen wieder vertrieben. Weil sich die Befestigungsanlagen von Tông Binh als nicht ausreichend erwiesen hatten, wurde unweit des Tô Lich Flusses eine neue Stadtfestung errichtet. Daraus entstand La Thanh, die später noch weiter ausgebaut wurde.

Champa war China gegenüber immer noch tributpflichtig und respektierte die Grenzen Annams aus Furcht vor der militäischen Stärke Chinas. Champa konzentrierte sich mehr und mehr dem Ackerbau und dem Handel. Aufgrund dessen, dass Champa durch seine geografische Lage zu einem Schnittpunkt der grossen ostasiatischen Seefahrtsstrassen wurde, begünstigte den stattfindenden Aufschwung seiner Wirtschaft. Fortan kontrollierte Champa zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert den Gewürzhandel zwischen Insulinde und China, den Seidenhandel zwischen dem T’ang-Reich, der dravidischen Seeherrschaft und dem Reich der Abbassiden von Bagdad. So wurde ausserdem Elfenbein und Aloe nach China und die arabischen Länder exportiert. Eine Blüte in dieser gesamten Entwicklung erfuhr auch die Piraterie an den Küsten von Annam. Das Königshaus duldete diese Piraterie, weil es seinen Anteil an der Beute erhielt.

In Java bestiegen die Shailendra im 8. Jahrhundert den Thron und unterstützten den Mahâyâna-Buddhismus. Sie gaben sich den Titel Mahârâja und nachdem sie in Giao Châu keinen Fuss fassen konnten, orientierte sich ihr Interesse nach Champa. 774 wurde Champa zum ersten mal von Java überfallen. Sie landeten in der Bucht von Nha Trang, plünderten und raubten, wurden aber vom König Satyavarman verfolgt und auf dem Meer besiegt. Weitere Angriffe auf Champa, von See ausgehend, sollten künftig noch stattfinden, welche alle zurückgeschlagen wurden.

Durch den Verfall und Machtverlust der chinesischen T’ang Dynastie ermutigt, überfiel Champa nun auch wieder Annam. Das Protektorat Annam wurde zu dieser Zeit häufig von Aufständen heimgesucht. Grund hierfür waren die starke Unterdrückung durch die chinesischen Beamten und die hohen Steuerlasten. 791 nahm der Quan Lang (Herr) von Đương Lâm, Phung Hưng die Hauptstadt ein und sein Sohn Phung An folgte ihm nach seinem Tod auf den Thron. Die Bevölkerung errichtete ihm, als Dank für seine gnädige Regierung einen Tempel und nannte ihn Bô Cai Đai Vương (Grosser König, Vater und Mutter des Volkes). Aber auch Phung An musste einige Monate später der Übermacht der Chinesen weichen. Ein neuer chinesischer Gouverneur übernahm die Macht über das Protektorat Annam. Nachdem die Chinesen auch Champa eine erneute Niederlage zufügten, kam in Champa ein neues Herrscherhaus an die Macht. Von nun an hiess das Land Chan Ch’eng (Chiêm Thanh) und die Hauptstadt Chan (Champâpura) genannt. Der Mahâyâna Buddhismus hatte in Champa festen Fuss gefasst. Davon zeugen zahlreiche Ruinen im Süden Vietnams. Eine lange Friedenszeit beherrschte nun im 8. Jahrhundert das Gebiet zwischen Champa und Annam.

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Quelle: Zusammenfassung orientiert nach der Darstellung von “3000 Jahre Vietnam” von Lê Thành Khôi
Kindler Verlag GmbH München, Ausgabe 1969


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