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Das Königreich Nan Chao

Wie im vohergehenden Artikel beschrieben, herrschte zwischen dem Königreich Champa und dem Protektorat Annam ein längerer Frieden. Jedoch im Norden Annam’s befand sich das Königreich Nan Chao, welches sich im Gebiet des heutigen Yün Nan befand. Nan Chao wurde hauptsächlich von Lolo- und Thai-Völkern bewohnt. Ihre Fürsten wurden Chao genannt, wovon es zur Zeit der T’ang Dynastie sechs gab. Jeder der einzelnen Chao war Herrscher über sein jeweiliges Gebiet. Mitte des 7. Jahrhunderts drangen Scharren von wilden Tibetanern in das Tarim Becken ein, eroberten die “Vier Garnisonen” der Chinesen, schlugen die chinesischen Truppen am oberen Yang Tse und gewannen die Oberherrschaft über das westliche Ssu Ch’uan sowie den nordwestlichen Teil von Yün Nan. Angesichts dieser, für das chinesische Reich ungünstigen Entwicklung, gestattete der Kaiser Hsüan Tsung dem Fürsten P’i Lo Ko von Nan Chao, die sechs Fürstentümer unter seine Regierung zu vereinigen. Die Hauptstadt des Königreiches von Nan Chao wurde T’ai Ho, dem heutigen Ta Li. Der zweite König Lo Lo Feng verbündete sich jedoch mit den Tibetanern und brachte den chinesischen Truppen der T’ang innerhalb von 3 Jahren zwei Niederlagen bei. Darüber hinaus stellte Ko Lo Feng durch die Eroberung des Hochtals des Irawadi und damit die Beherrschung der alten Strasse nach Birma, gewaltsam die Verbindung mit seinen Verbündeten sicher. Über diese alte Strasse hielt der indische Einfluss und der Buddhismus im 2 Jahrhundert seinen Einzug nach Yün Nan und China.

Mitte des 9. Jahrhunderts erlitt das chinesische Kaiserreich einen erheblichen Niedergang und Machtverlust. Diesen Umstand nutzen die chinesischen Statthalter Vietnams zur gewaltsamen Vergrösserung ihres Einflusses und Macht. Ihr ungehemmtes Vorgehen provozierte jedoch den Widerstand der Bergvölker, denen ihre Stammesbrüder aus Nan Chao zu Hilfe eilten. Mit wechselndem Kriegsglück fanden in Giao Châu von 846 bis 863 zahlreiche Kämpfe statt. Am Ende fiel das gesamte Giao Châu in den Machtbereich von Nan Chao. Doch das chinesische Kaiserreich sammelte noch einmal all seine militärischen Kräfte zusammen und nach zehn weiteren Kriegsjahren war Nan Chao völlig niedergerungen und verlor seinen Einfluss wie seine Macht. Bis ins 13. Jahrhundert sollte Nan Chao keine grössere politische Rolle mehr spielen und wurde zu dieser Zeit auch von den Mongolen zerstört.

Das Protektorat Annam wurde in Tinh Hai umbenannt und dem kaiserlichen Kommissar zur Verwaltung unterstellt. Nach und nach konnten in den Folgejahren die Verwüstungen der Kriege überwunden werden und der Handel sowie die Wirtschaft wieder eine neue Belebung erfahren.

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Quelle: Zusammenfassung orientiert nach der Darstellung von “3000 Jahre Vietnam” von Lê Thành Khôi
Kindler Verlag GmbH München, Ausgabe 1969


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