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Der Konflikt zwischen der Viet Minh Bewegung und der französischen Kolonialmacht während des Zweiten Weltkrieges, der Befreiungskampf gegen die japanischen Besatzer, der Kampf gegen die französischen Kolonialherren nach Ende des Zweiten Weltkrieges sowie der Kampf zwischen den Viet Minh und den USA bezeichnet man als den Vietnamkrieg.
Noch in der Gegenwart lassen sich in Vietnam die Wunden aus dieser Zeit beobachten. Das Land hat ökologisch, sozial und wirtschaftlich noch immer schwer an den Spätfolgen des Vietnamkrieges zu leiden. Die USA dagegen mussten die erste militärische Niederlage in ihrer Geschichte erleben. Nicht nur bei den amerikanischen Kriegsteilnehmern, sondern in der gesamten Gesellschaft der USA entstand das sogenannte “Vietnam-Syndrom”, welches bis zum heutigen Tag die Aussenpolitik der USA prägt. Bei einer Betrachtung des Vietnamkrieges muss man diesen aber auch im Zusammenhang mit nord- und südvietnamesischen Positionen sowie im Rahmen der internationalen Weltpolitik sehen.
1945 sahen der nordamerikanische Geheimdienst OSS (Office of Strategic Services) und die Regierung der USA Ho Chi Minh und seine vietnamesische, nationalistische und kommunistische Bewegung noch als einen Verbündeten an. Gemeinsam kämpften sie gegen die Japaner, wobei die Amerikaner die Bewegung unter Ho Chi Minh als einen sehr effektiven und zuverlässigen Partner in diesem Kampf schätzten.
Es gab viele tausende namentlich nicht bekannte Helden im vietnamesischen Befreiungskampf, einige herausragende und in den Geschichtsbüchern vermerkte Persönlichkeiten Vietnams. Aber niemand kommt im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg an einer Person vorbei, Ho Chi Minh. Sehr viele Vietnamesen nennen ihn noch heute liebevoll Onkel Ho. Also muss ich an dieser Stelle erstmal einiges über diesen Mann schreiben. Ho Chi Minh’s Vater war ein Mandarin am Hof des Kaisers in Hue. Dieser verliess später seine Familie und reiste als Lehrer durch das Land. Ho verliess Vietnam zum erstenmal 1911 an Bord eines Dampfers. Noch kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges begann er in Paris als Journalist zu arbeiten. Es dauerte nicht lange und er schloss sich dort den französischen Sozialisten an. Später wurde Ho Mitglied der französischen kommunistischen Partei, weil diese sich als einzige Partei strikt gegen jede Form von Kolonialismus wandte. Entschieden und kompromisslos schrieb er in seinen Zeitungsartikeln mit scharfen Worten gegen den Kolonialismus und jede Form von Einschränkung der Selbstbestimmung der kolonialisierten Völker. Dadurch geriet er unverzüglich mit der Polizei in Konflikt. Ho musste 1924 Frankreich verlassen und reiste mehrere Jahre nach Moskau, China und Thailand. Im Lauf der Zeit lernte er mehrere Sprachen fliessend zu sprechen. In Hongkong gründete er 1929 zusammen mit anderen vietnamesischen Intellektuellen die Kommunistische Partei Indochinas. Erklärtes Ziel der Partei war die vollständige Unabhängigkeit Vietnams vom französischen Kolonialismus. Am 2. September 1945 proklamierte Ho Chi Minh vor Hunderttausenden die Unabhängigkeit Vietnams von japanischer Besatzung und französischer Kolonialherrschaft.
1887 gründete Frankreich die Indochinesische Union. Die regionalen Konflikte ausnutzend weitete Frankreich seine Kolonialherrschaft auf vier Verwaltungseinheiten aus: auf das Königreich Kambodscha, Tonkin im Norden, das Kaiserreich Annam in der Mitte Vietnams und auf Cochinchina im Süden. Später traf es dann noch Laos. In Vietnam bildete sich eine kleine vietnamesische Bildungselite, welche der Kolonialmacht Frankreich Widerstand entgegenbrachten. Aber erst mit Beginn der Weltwirtschaftskrise in Frankreich traten diese vietnamesischen Intellektuellen offen auf und diskutierten über die politischen, ökonomischen sowie sozialen Zustände in Vietnam. Gegen Ende der dreissiger Jahre verstärkten die Franzosen ihre Repression gegen vietnamesische Nationalisten und Kommunisten. Frankreich wurde im Zweiten Weltkrieg von Hitlers Militärs besiegt und die Japaner begannen Ende Dezember 1941 ihren Machtbereich in Südostasien gewaltsam auszudehnen. Dadurch verloren die europäischen Länder, die in diesen Gebieten über Kolonien verfügten bedeutend an Einfluss. Die Besatzung durch japanische Truppen war noch um ein wesentliches brutaler als es die europäische Kolonialherrschaft war. Aber sie läutete das Ende dieser europäischen Kolonialherrschaft ein. Die französische Kolonialverwaltung blieb unter der japanischen Oberhoheit weiterhin bestehen, wobei sie in dieser Zeit mit noch grösserer Brutalität gegen Aufständische, Kommunisten und antijapanische Gruppen vorging. Unter Führung von Ho Chi Minh wurde 1941 die “Liga für die Unabhängigkeit Vietnams” (Abkürzung: Viet Minh) gegründet. In ihr waren junge Intellektuelle, welche sich dem Kommunismus verschrieben hatten sowie einige bürgerliche Kreise vertreten. Ho Chi Minh wurde bis 1945 der unumstrittene Führer der vietnamesischen Widerstands- und Unabhängigkeitsbewegung. Das nicht zuletzt wegen seinem hervoragenden Organisationstalent und seiner Fähigkeit die Menschen für den Befreiungskampf zu begeistern. Die Japaner hatten die französische Verwaltung aufgehoben, nachdem 1944 die Allierten Frankreich von den Deutschen befreiten. Sie setzten den Kaiser Bao Dai als Oberhaupt Vietnams ein, wobei Vietnam weiterhin von Japan abhängig war. 1945 eroberten die Viet Minh 6 Provinzen im Norden Vietnams. Der Erfolg der Viet Minh wurde dadurch begünstigt, dass es im Land zu Nahrungsmangel kam. Dies war die Folge der Ausbeutung Vietnams durch Japan sowie durch die Kriegswirschaft, welche die Japaner in Vietnam betrieben. Der dadurch entstehenden Hungersnot fielen ca. zwei Millionen Vietnamesen zum Opfer. Folge war, dass sich hunderttausende Vietnamesen der Viet Minh Bewegung anschlossen. Im Jahre 1945 wurden die Viet Minh offiziell Verbündete der Alliierten.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war das Elend und die Hungersnot extrem gross. Deshalb versuchten die Viet Minh die Lebensmittel gerechter zu verteilen und gleichzeitig ihren Einflussbereich in Vietnam zu vergrössern. Vor allem im Norden Vietnams hatten die Viet Minh die Macht. Jedoch im Süden Vietnams, mit Ausnahme von Saigon, hatten die Sekten der Cao Dai und die Hoa Hao die Verwaltung übernommen. Diese beiden Sekten zählten zusammengenommen ca. 2 Million Mitglieder.
Die USA versuchte die europäischen Kolonialmächte, wie zum Beispiel Grossbritannien, Frankreich und die Niederlande, zu überzeugen ihre asiatischen Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Diese jedoch wollten ihre durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten Volkswirtschaften mit Hilfe ihrer Kolonien sanieren. Deshalb konnte sich die USA mit diesem Anliegen nicht durchsetzen. Schon 1945 kämpften französische Soldaten in Vietnam gegen die Japaner. Das wurde durch die Unterstützung der Briten möglich. Als Truman Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde, revidierte er die bisherige Aussenpolitik des vormaligen Präsidenten Roosevelt, vor allem dessen Kritik an dem Kolonialismus. Die Bahn für die erneute Machtübernahme Frankreichs in Indochina war somit frei. Im September 1945 besetzten britische Truppen den südlichen Teil Vietnams, eine nationalchinesische Armee den Norden bis zum 17. Breitengrad und später wurden französische Truppen nach Vietnam gesendet. Zum Teil auf amerikanischen Schiffen. Sofort begannen die Kämpfe zwischen französischen Truppen und den Viet Minh. Die Viet Minh waren zu dieser Zeit ein starker militärischer Widerpart. Die Sekten der Cao Dai und Hoa Hao im Süden Vietnams hatten bisher als Verbündete der Viet Minh gekämpft. Doch nun wechselten sie die Seiten und verbündeten sich mit den Franzosen unter dem General Philippe Leclerc. In Saigon wurden die Regierungsgeschäfte durch den Hohen Kommissar für Indochina, Admiral Georges Thierry d’Argenlieu übernommen. Auch Vietnamesen wurden in hohe Ämter berufen. Diese Vietnamesen waren aber Grossgrundbesitzer, Geschäftsleute und Rechtsanwälte. Also keine Vietnamesen die ihr Land und ihre Bevölkerung repräsentieren. Diese Regierung war keine nationalistische Alternative zu den Viet Minh und somit zum Scheitern verurteilt. Die Franzosen konnten die grösseren Städte kontrollieren, jedoch ausserhalb dieser Städte kehrten die Viet Minh nach einem Rückzug der französischen Truppen wieder in diese Gebiete zurück. Auch in Saigon hatten sie im Untergrund eine starke Widerstandsbewegung.
Im Norden Vietnams war Ho Chi Minh in einer verzweifelten Situation. Die nationalchinesischen Truppen des Tschiang Kai-schek’s marodierten, vergewaltigten, raubten und mordeten wie wildgewordene Horden. Es war zwingend notwendig, dass die Truppen des Tschiang Kai-schek aus dem Land vertrieben werden. Ho sah in einem Abkommen zwischen den Viet Minh und den Franzosen den einzigen Ausweg aus dieser schwierigen Situation. Am 6. März 1946 wurde dann ein entsprechendes Abkommen zwischen den Viet Minh und den Franzosen geschlossen. Die Franzosen übernahmen somit auch im Norden die Kontrolle und Vietnam wurde von Frankreich als “freier Staat innerhalb der Französischen Union” anerkannt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Franzosen nun auch in Nordvietnam die Macht übernahmen. Dieser Kompromiss war innerhalb der Viet Minh eine harte Zerreissprobe. Aber Ho konnte sich mit seinem Standpunkt durchsetzen. Für ihn war gegenüber einer weiteren Besetzung durch die Truppen der Nationalchinesen eine solche vorübergehende Lösung die bessere Entscheidung. Doch die Franzosen riefen 1946 einen Staat Cochinchina aus und konfrontierten Ho Chi Minh mit wirtschaftlichen Forderungen. Dies war ein klarer Verstoss gegen das Abkommen zwischen Franzosen und Viet Minh.
Die Aussenpolitik der Truman-Regierung war vom Kalten Krieg gekennzeichnet. Die Auseinandersetzung zwischen den westlichen Nationen unter Führung der USA und auf der anderen Seite der Sowjetunion, die Blockbildung von West und Ost und der Sieg des kommunistischen Fühers Mao über Tschiang Kai-schek hatten eine sehr grosse Auswirkung auf die amerikanische Vietnampolitik. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die USA diesbezüglich mehr eine neutralistische und gemässigte Haltung ein. Doch durch die eben genannte weltpolitische Entwicklung änderte sich die aussenpolitische Einschätzung und Bewertung der Vorgänge in Indochina. Das hatte zur Folge, dass Frankreich durch die USA mehr und mehr in ihrem Kampf gegen den “Kommunismus” in Indochina unterstützt wurden. Trumans Politik der “Eindämmung” (containment) begann und damit das stecken von “roten und blauen Fähnchen” auf den Weltkarten der Politiker und Militärs. Dieses aussenpolitische Denken und Handeln der USA sollte nicht nur für Vietnam Unterdrückung, Grauen und Tod bedeuten. Dabei sei hier noch anzumerken, dass die Aussenpolitik der Sowjetunion auch nach dem Tod Stalins ebenso expansiv war. Auch die Sowjetunion war ständig bestrebt ihren Einfluss in der Welt zu verstärken und dem “westlichen Gegner”, vor allem den USA zu schaden wo es nur ging. Skrubel empfanden die sowjetischen Führer und hohen Funktionäre dabei auch nicht. Auf beiden Seiten zählte nur das Motto: “was dem anderen schadet, das nützt mir”. Auf der einen Seite bedrohten sie sich mehr und mehr mit einem riesigen Arsenal von Massenvernichtungswaffen und auf der anderen Seite unterstützten sie die eine oder andere Partei in Konflikten der sogenannten Dritten Welt und der Kolonialländer. Die Regierung der USA zweifelte nicht im mindesten daran, dass Ho Chi Minh in Vietnam die fähigste und einflussreichste Persönlichkeit war und dass es zu ihm keine nationalistische Alternative gibt. Das amerikanische Aussenministerium hielten Ho Chi Minh, trotz seiner ideologischen Ausrichtung” für einen vietnamesischen Nationalisten. Aber weil man keinen Kontakt zu den Viet Minh aufnehmen konnte, war das Misstrauen sehr gross, dass es zwischen den Viet Minh und der Sowjetunion Kontakte geben könnte. Im Januar 1950 erkannten die VR China und die Sowjetunion die Viet Minh als legitime Regierung der “Demokratischen Republik Vietnam” an. Hierin sah die Regierung der USA den letzten Beweis für eine Kooperation zwischen diesen Ländern und den Viet Minh. Aufgrund dessen wurde der von Frankreich eingesetzte Kaiser Bao Dai und sein “Staat von Vietnam” offiziell anerkannt. Damit begann 1950 die finanzielle Militärhilfe der USA für Frankreich in Vietnam. Die Viet Minh kontrollierten zu dieser Zeit schon etwa zwei Drittel von Vietnam und später mit der Schlacht bei Dien Bien Phu, unter Führung des Generals Vo Nguyen Giap, setzten die Viet Minh dem französischen Kolonialismus in Vietnam ein Ende.
Auch unter dem Präsidenten Eisenhower wurde der Indochinakrieg zwischen den Franzosen und den Viet Minh als eine Auseinandersetzung zwischen dem Weltkommunismus und dem Westen angesehen. Demzufolge forderte die Eisenhowerregierung von den Franzosen in Indochina energischer militärisch vorzugehen. Doch die französische Regierung federte die amerikanischen Forderungen mit einem Erpressungsversuch ab, indem sie sich in Europa gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands und damit gegen die Aufstellung einer westdeutschen Armee im Rahmen des westlichen Bündnisses stellten. Allerdings forcierten sie ihr militärisches Arrangement in Vietnam. Eine alles entscheidente Militäroperation wurde vorbereitet. Man wollte die Viet Minh in einer Schlacht schlagen und vernichten. Die französischen Truppen besetzten das Tal um Dien Bin Phu und die Einheiten der Viet Minh unter Führung von General Giap setzten sich in den Bergen um dieses Tal fest. Zehntausende Soldaten der Viet Minh brachten unter unsäglichen Opfern Nachschub, Artillerie und Munition über Dschungelpfade heran. Später sollte gerade diese Artillerie ein entscheidenter Faktor zum Sieg bei Dien Bin Phu sein. Denn die französischen Truppen waren so ständigem Artilleriebeschuss ausgesetzt, womit sie nicht gerechnet hatten. Doch zu diesem Zeitpunkt hoffte die französiche Regierung schon auf ein Ende des Vietnamkrieges am Verhandlungstisch. Hier will ich nicht auf die einzelnen Beweggründe der französischen Regierung eingehen, weil dies hier zu weit führen würde. Nur sei gesagt, dass es für diese Orientierung der Franzosen innen- wie auch aussenpolitische Gründe gab. Ausserdem hatte die französische Bevölkerung genug von diesem schmutzigen Krieg und wollte, dass er ein Ende nimmt. Inzwischen wurde die militärische Lage der französischen Truppen bei Dien Bin Phu immer aussichtsloser. Obwohl die USA massiv Militärhilfe in Form von 40 B-26-Bomber, geflogen von französischen Piloten, und amerikanische Militärberater in Zivil betrieben war die Lage der Franzosen ausweglos. Die Artillerie der Viet Minh vernichteten die französische Artilleriestellungen und die Landebahn. Damit waren diese Truppen vom Nachschub abgeschnitten. Es konnte nur noch begrenzt Hilfe durch Nachschub per Fallschirmabwürfe geleistet werden. Französische Piloten, welche tollkühn unter Artilleriebeschuss zu landen wagten riskierten dabei Kopf und Kragen. Es sei bemerkt, dass es ernsthafte Überlegungen in hohen militärischen Kreisen in Washington gab, das militärische Fiasko der französischen Armee durch einen Einsatz der Nuklearwaffe zu verhindern. Jedoch konnten sich diese Kreise gegenüber dem amerikanischen Generalstab und der Eisenhowerregierung nicht durchsetzen. Immerhin befürchtete man eine entsprechende Reaktion zumindestens der Chinesen. Es gab noch zahlreiche andere Überlegungen seitens der amerikanischen Regierung. Allerdings kam man zu keinem Entschluss, so dass die französischen Truppen am 7. Mai 1954 in Dien Bin Phu kapitulieren mussten. Damit begann das Ende des französischen Kolonialismus in ganz Indochina.
Auf der Genfer Indochinakonferenz am 8. Mai 1954 trafen sich die Aussenminister der vier Großmächte der Kriegskoalition des Zweiten Weltkrieges, eine chinesische Delegation, sowie zwei vietnamesische Delegationen. Einerseits eine Delegation des Bao Dai-Regimes und andererseits eine Delegation der Viet Minh. Zu dieser Genfer Konferenz hatten die verschiedenen teilnehmenden Parteien auch unterschiedliche Interessen. Die Sowjetunion sah in Indochina mit Genugtuung die Schwierigkeiten des Westens. Eigene aussenpolitische Ambitionen bzw. ausserordentliche Interessen diese Region betreffend hatten sie eher weniger. Sie sahen in der Genfer Zusammenkunft eher eine Möglichkeit zu versuchen die westdeutsche Wiederbewaffung und Eingliederung in ein westliches Verteidigungsbündnis zu verhindern. Die französische Delegation hatte das selbe Anliegen. Die USA allerdings war sehr an dieser Wiederbewaffnung Westdeutschlands interessiert. Die chinesische Delegation ihrerseits drängte die Delegierten der Viet Minh dazu weitreichende Kompromisse zu schliessen, denn die Chinesen wollten alles versuchen ein Engagement der USA in Vietnam zu vereiteln. Beschlossen wurde nun, dass sich die Viet Minh nördlich des 17. Breitengrades zurückziehen und die Franzosen sich von Tonkin zurückziehen. Die Franzosen sollten die Lanstriche südlich und die Viet Min nördlich des 17. Breitengrades verwalten. Ausserdem wurden die Viet Minh dazu verpflichtet laotische Gebiete zu verlassen. Die Unabhängigkeit von Vietnam, Laos und Kambodscha hatte die Viet Minh-Delegation auch nicht durchsetzen können. Die USA verpflichteten sich für die Sicherheit von Südvietnam, Laos und Kambodscha. Hiermit war nun die Wurzel für den späteren Krieg der USA in Vietnam gelegt.
Die Spätfolgen der Besatzung durch die Japaner und des Krieges mit den Franzosen waren besonders im Norden Vietnams spürbar. Die Viet Minh mussten alles daran setzen die Wirtschaft wieder aufzubauen und die Kriegsschäden zu beseitigen. Nur dann konnten sie sich weiterhin der Sympathie der breiten Bevölkerung sicher sein. Es wurden massiv Landenteignungen, verbunden mit verschiedenen Repressalien, vor allem in Nordvietnam durchgeführt. Das enteignete Land wurde dann an die Kleinbauern verteilt. Lokale Parteifunktionäre nutzten die Landreform zu persönlichen Abrechnungen und Willkür. Hinzu kam eine unzureichende politische Bildung und der Propagandierung von Pseudomarxismus. Tausende Menschen verloren sogar ihr Leben und zehntausende ihr Hab und Gut. Später wurde das Land wieder zu Kooperativen zusammengefasst und die Industrie wurde verstaatlicht. Nordvietnam war ein Ein-Partei- Staat geworden. Die Lao Dong, zu Deutsch Arbeiterpartei, übernahm die gesamte Machtausübung und Kontrolle über das Leben. Oftmals nicht nur im öffentlichen, sondern sogar bis in das private Leben der Menschen. Oftmals zeugte diese Praktik seltsame Blüten. Aber man kann nicht bestreiten, dass die Wirtschaft des Nordens, für vietnamesiche Verhältnisse gesehen, eine gewisse Belebung erfuhr.
Die amerikanische Aussenpolitik zielte darauf ab, den Süden Vietnams dem Einfluss der Kommunisten und Viet Minh zu entziehen, um hier eine nationalistische Alternative gegenüber dem Norden Vietnams zu bilden. Wie man später sehen konnte hatten die Amerikaner damit wenig Erfolg. Um dieses Ziel aber zu erreichen gündeten die USA die Militärorganisation SEATO, welche sich auch auf Indochina erstreckte. Ein eindeutiger Verstoss gegen die Genfer Beschlüsse. Und sie setzten ihren Geheimdienst die CIA (Central Intelligence Agency) massiv zu Operationen in Vietnam ein. Die CIA bildete Spezialisten im Guerillakrieg aus, unternahm zahlreiche Sabotageakte in Nordvietnam und führte eine rigide antikommunistische Propaganda durch, mir dem Ziel das Ansehen der Kommunisten im Norden zu untergraben. Die Strategie der Amerikaner war, einerseits massive Finanzhilfe an Südvietnam und andererseits alles zu unternehmen, um die “Kommunisten” zu vernichten. Mit ihrer Finanzhilfe wollten die Amerikaner erreichen, Südvietnam zu einer kapitalistischen und demokratischen Gesellschaft zu entwickeln, welche wirtschaftlich und sozial gesehen dem kommunistischen Norden überlegen war. Sollte dies gelingen, so der Standpunkt der Amerikaner, würde der kommunistisch regierte Norden Vietnams seine Anziehung auf die vietnamesische Bevölkerung und damit seine Existenzberechtigung verlieren. In der späteren wirtschaftlichen Entwicklung beider vietnamesischer Regionen behielten die Amerikaner in dieser Annahme im grossen und ganzen recht, jedoch die anderen Ziele konnten sie nicht annähernd erreichen. Eine Aufgabe der Amerikaner bestand darin, eine vietnamesische Persönlichkeit zu finden, welche sie an die Spitze einer südvietnamesischen Regierung stellen konnte. Eine Persönlichkeit, die nicht in dem Verdacht stand im Dienste von Kolonialherren zu stehen, die antikommunistisch geprägt war und eine Leitfigur des vietnamesischen Nationalismus sein konnte. Die Wahl der Amerikaner fiel auf Ngo Dinh Diem. Dieser Mann war strenger Katholik und hatte sich in der Kolonialverwaltung hochgearbeitet. Unter Bao Dai war er Innenminister gewesen. Die Japaner wie auch Ho Chi Minh hatten ihn in der Vergangenheit zu einer Mitarbeit ersucht. Beide Seiten allerdings ohne Erfolg. Zeitweise lebte Ngo Dinh Diem in den USA. Diem wurde 1954 Premierminister von Südvietnam. Doch er musste sich die Macht mit den beiden Sekten Cao Dai und Hoa Hao, sowie einer Mafia-Organisation namens Binh Xuyen teilen. Diese zwei Sekten und die Binh Xuyen kontrollierten grosse Teile im Süden von Vietnam und damit auch den Opiumhandel, das Glücksspiel und die Prostitution. Ngo Dinh Diems Regierung war widerum von Korruption geprägt. 1955 griffen die Binh Xuyen den Palast des Ministerpräsidenten an und wurden von loyalen Truppen Diems aus der Stadt vertrieben. Diese für ihn günstige Situation nutzte Diem auch, um die beiden Sekten der Cao Dai und der Hoa Hao vernichtend zu schlagen. Nicht unmassgeblich an diesem militärischen Erfolg trug die amerikanische Finanzspritze in Höhe von 12 Millionen US-Dollar bei. Anschliessend liess sich Diem zum Präsidenten der Republik Vietnam (RVN) ernennen. Das war das entgültige Ende des französischen Kolonialismus in Vietnam. Der Einfluss der Franzosen auf die Geschicke Vietnams war zu Ende. Diese Rolle hatte mehr und mehr die USA übernommen. Ngo Dinh Diem hatte allerdings kaum Rückhalt und Akzeptanz in der vietnamesischen Bevölkerung. Er wie auch seine Nachfolger später konnten nicht zur Identifikation der breiten vietnamesischen Volksmassen in ganz Vietnam werden. Die Viet Minh aber genossen ein breites Ansehen, in vor allem der bäuerlichen Bevölkerung. Sie waren in den Augen grosser Teile der Bevölkerung diejenigen, die Vietnam von den Japanern und den Franzosen befreit hatten. Weil Diem, wie auch die Regierung der USA nicht im entferntesten daran glaubten, dass Diems Regierung in gesamtvietnamesischen Wahlen eine Chance gegen die Viet Minh hätte, lehnten beide die auf der Genfer Konferenz beschlossenen freien Wahlen unter Angabe von fadenscheinigen Argumenten ab. Diese freien Wahlen waren für den Juli 1956 festegelegt worden. Das war ein klarer Bruch der Vereinbarungen der Genfer Konferenz.
Die Südvietnamesische Regierung erhielt zwischen 1955 und 1961 von den USA eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 1,447 Mrd. Dollar, sowie zusätzlich 508 Mill. Dollar Militärhilfe. Um zu verstehen, was diese Finanzhilfen für Südvietnam bedeuteten. Diese Gelder befriedigten den gesamten Etat der südvietnamesischen Streikräfte und 80% des Staatshaushaltes. Tatsächlich steigerte sich dadurch der Lebensstandard grosser Teile der Bevölkerung erheblich. Ein Grossteil der Gelder versickerte aber in der Korruption und in den Taschen der Staatsdiener, Beamten, und krimineller Geschäftemacher. Südvietnam wurde voll und ganz abhängig von den USA. Allmählich übernahmen amerikanische Spezialisten und Berater die Ausbildung des südvietnamesischen Militärs (ARVN), des Geheimdienstes und der Polizei. Das Militär wurde mit amerikanischer Waffentechnik ausgestattet. Später erwies es sich als ein Fehler, die ARVN für einen konventionellen Krieg mit den Nordvietnamesischen Streitkräften auszubilden. Denn die ARVN hatte zukünftig vor allem mit dem Kampf gegen Aufständische im Süden und mit einer Guerillataktik zu tun. Also wurden die südvietnamesischen Truppen für einen falschen Krieg ausgebildet. Das sollte sich später als sehr nachteilig auswirken.
Ngo Dinh Diem verhinderte bewusst, dass das Militär, die Geheimdienste und die Polizei zu mächtig wurden. Alle Macht ging nur von ihm selbst aus. Von ihm und seinen Verwandten, welche wichtige Schlüsselstellungen im Staat bekamen. Nachdem sich Diem der Sekten entledigt hatte, begann er die Kommunisten im Süden zu verfolgen. Tausende Menschen wurden verhaftet und in Lager gesperrt. Hierbei war Diem nicht zimperlich. Er sperrte gleich auch unbequeme Oppositionelle, Gewerkschafter und Journalisten ein. Wobei gleichzeitig die örtlichen Verwaltungschefs die Situation zu private Rachefeldzüge nutzten. 1959 wurden sogenannte Militärtribunale per Gesetz eingerichtet. Diese liessen bis zu 12.000 Menschen töten und ca. 150.000 weitere in Lager sperren. Im Rahmen der sogenannten Landreform wurde das von den Viet Minh an Kleinbauern zugeteilte Land wieder an die Grossgrundbesitzer zurückgegeben, welches den Grossgrundbesitzern vorher enteignet wurde. Besonders die Abschaffung der dörflichen Selbstverwaltungen trugen unter der Landbevölkerung zum Unmut gegen Diem bei. Ab Mitte 1959 begann die Regierung Diem mit massiven Zwangsumsiedlungen der Landbevölkerung in befestigte Dörfer. Damit wollte man den Einfluss der Viet Minh auf die Bauern unterbinden. Besonders schwer wog für die Bauern der Umstand, dass sie gezwungen wurden die Gräber ihrer Ahnen zu verlassen. Viele Bauern kehrten einfach wieder in ihre eigenen Dörfer zurück. Selbst innerhalb des Militärs gärte die Unzufriedenheit. So kam es zum Beispiel 1960 zu einem Angriff von 100 Fallschirmjäger auf den Präsidentenpalast. Diem verweigerte nach wie vor die im Genfer Abkommen vereinbarten freien Wahlen. 1958 begann in Südvietnam verstärkt der bewaffnete Widerstand. Die Viet Minh im Süden Vietnams versuchten die Führung in Hanoi für den bewaffneten Kampf gegen die Regierung zu überzeugen. Doch erst einmal wandte sich diese gegen ein solches Vorhaben. Sie benötigten noch Zeit um den Norden Vietnams wirtschaftlich zu stärken. Die Viet Minh in Südvietnam verbündeten sich zeitweise mit den Überresten der Sekten der Cao Dai und der Hoa Hao, sowie mit den an der kambodschanischen Grenze lebenden ethnischen Minderheiten, den sogenannten Montagnards. Die letzteren wurden von Diems Regime gewaltsam von Teilen ihres Landes vertrieben, damit Diem diese Landstriche vor allem mit Katholiken und anderen Bewohnern aus dem Norden besiedeln konnte. Diem selbst war ein strenger Katholik. Die Aufständischen begannen nun damit, Regierungsbeamte und Verwaltungschefs zu ermorden. Dadurch beabsichtigten sie die Regierungstreuen einzuschüchtern und selbst die Kontrolle über die Verwaltungsbezirke übernehmen zu können. Angesichts dieser Entwicklung in Südvietnam schwenkte auch die nordvietnamesische Führung auf diesen Kurs um. Einige tausend Guerillakämpfer, welche ursprünglich aus dem Süden stammten wurden zur Verstärkung der Aufständischen entsandt. Es kam zu grösseren bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ihnen und der ARVN. Durch ein Treffen 1960 von Viet Minh-Vertretern, Kommunisten aus Südvietnam, Buddhisten, Mitglieder der Cao Dai und Hoa Hao sowie einiger Katholiken wurde das Fundament für die Gründung der NLF (Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams) gelegt. Die vielfach angewendete Vereinfachung, dass die NLF gleichzusetzen war mit der Kommunistischen Partei ist nicht korrekt. Bis 1968 war diese NLF in keiner Weise abhängig von der Hanoier Führung. Die NLF war die direkte Nachfolgeorganisation der Viet Minh. Ihre “Volksbefreiungsarmee” PLAF wurde von Diem “Vietcong” genannt. Viele Vietnamesen verstehen noch heute diese Bezeichnung als Schimpfwort und hören diese Namensnennung nicht so gerne. Jedoch ist das nicht so leicht zu verstehen, weil diese Bezeichnung eigentlich nichts anderes heisst als “vietnamesische Kommunisten”. Warum ärgert das eigentlich vietnamesische Kommunisten, dass die Kämpfer der PLAF als solche benannt wurden. Vielleicht weil die Amerikaner und Südvietnamesen diesen Begriff als “Schimpfwort” benutzt hatten - vielleicht. So klar verständlich ist mir das noch nicht.
In Südvietnam leisteten die USA zwar massive finanzielle und Militärhilfe, jedoch hatte sie in der zweiten Hälfte der 50-iger Jahre kaum Einfluss auf die Innenpolitik von Südvietnam. Diem konnte sehr geschickt zwischen den verschiedenen Kreisen und Meinungen lavieren und deren Ziele somit neutralisieren. Und der Präsident Eisenhower war nicht in der Lage zu erkennen, dass Diem durch die bisherige Taktik der Politik der Vereinigten Staaten nicht von seiner autokratischen und uneffizienten Regierungsweise abzubringen war.
Anfang der sechziger Jahre erhielt die NLF Zulauf von tausenden Freiwilligen. Durch das brutale und unbarmherzige Vorgehen der Diem-Regierung gegen jede Art von Opportunismus wurde dieser Prozess eher noch gefördert. In vielen Gegenden Vietnams schüchterte die NLF die regionalen Regierungsbeamten ein oder sie wurden einfach ermordet. Sie organisierten für viele Leute Schutz und liessen sie an politischen Veranstaltungen teilnehmen. Die südvietnamesischen Dörfer gelangten oftmals dadurch unter die Kontrolle der NLF, dass die NLF Regierungsbeamte ermordete, Saigon Truppen gegen dieses Dorf entsendete und es dadurch viele Tote unter den Dorfbewohnern gab. Ab spätestens diesem Zeitpunkt standen die Dörfer auf der Seite der NLF. Das war eine sehr erfolgreiche Strategie. Zweiter Bestandteil der Strategie war, dass die NLF mittels einer Landreform vielen hundertausenden Bauern Land übereignete. Das trug ebenfalls dazu bei, dass die Bauern fest auf der Seite der NLF standen. Dorfgemeinschaften, welche sich aus unterschiedlichen Gründen weigerten die NLF zu unterstützen wurden oftmals mit Gewalt dazu gezwungen. NLF-Funktionäre wurden mit allem Nachdruck angewiesen sich im Umgang mit den Bauern nach strengen moralischen Regeln zu verhalten. Man wollte bewusst einen Gegensatz zu den arroganten und anmassenden Regierungsbeamten sichtbar machen. War ein Dorf erstmal von der NLF kontrolliert, dann wurden die Bewohner mit einer intensiven Propaganda konfrontiert. Besonders der Antiamerikanismus und Antiimperialismus wurde immer und immer wieder gepredigt. Die PRP (Revolutionäre Volkspartei), also die kommunistische Organisation, war innerhalb der NLF die politische und idiologische Organisation, welche dafür sorgte, dass die FLN sich an die militärischen und politischen Entscheidungen der Führung in Hanoi hielt. Wobei die meisten Funktionäre der PRP sich so gut wie gar nicht mit den Schriften von Karl Marx, Engels und Lenins beschäftigt hatten. Für die meisten Kommunisten war der Marxismus-Leninismus zu abstrakt. Sie setzten ganz pragmatische Ziele: die Beseitigung des Diem-Regime, die Vertreibung der amerikanischen Berater und die Abschaffung des Kapitalismus. Es kam für sie damals nicht vorrangig darauf an den Kommunismus zu errichten, sondern sie stellten die moralische Integrität und individuelle Opferbereitschaft in den Vordergrund.
Anfang 1961 wurde John F. Kennedy Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit ihm vollzog sich in den USA ein Politikwechsel und er holte sich fähige und junge Berater in das Weisse Haus. Kennedy hatte die Absicht alte und verkrustete innenpolitische Strukturen zu durchbrechen, sowie die wirtschaftliche Misere im Land zu beseitigen. Hierbei sollte sich in späterer Zeit zeigen, dass sich in den USA alte und reaktionäre Kräfte in starkem Konflikt mit der neuen Politik befanden. Was letztendlich in einem Attentat auf ihn mündete und ihm sein Leben kostete. Doch jetzt wird erst einmal das Jahr 1961 geschrieben. Für Vietnam bedeutet dieser Politikwechsel allerdings ein verstärktes Engagement der USA in dessen politischer, wirtschaftlicher und auch militärischen Entwicklung. Auch Kennedy glaubte wie seine Vorgänger, in Südvietnam den “Freien Westen” und die “Demokratie” gegen den Weltkommunismus verteidigen zu müssen.
Die amerikanische Regierung unterstützte in Laos massiv die Pathet Lao. Man wollte in Laos verhindern, dass dort ebenso eine Bewegung wie in Vietnam die Viet Minh entsteht. Als aber die Führung der Pathet Lao ebenfalls in Moskau um Unterstützung baten und sie diese auch erhielten, deuteten die Amerikaner das als Seitenwechsel der Pathet Lao zur kommunistischen Seite. Sie entsendeten die 7. US-Flotte ins Südchinesische Meer. Die SEATO wurde auch aktiviert und Thailand, Pakistan und die Philippinen gaben eine Zusage zur Entsendung von Soldaten. Unter dem Fiasko der Invasion in der kubanischen “Schweinebucht” fanden sich die Amerikaner aber zu einer Verhandlungslösung bereit. 1962 wurde ein Waffenstillstand und der Abzug aller nicht-laotischen Truppen beschlossen. Weder Nordvietnam noch die USA hielten sich aber an diesen Vertrag. In Vietnam wurde die ARVN um weitere 50.000 Soldaten vergrössert und 400 “Green Berets” wurden zu den vietnamesischen ethnischen Minderheiten im westlichen Bergland entsendet um diese dafür zu gewinnen, dass sie die Pfade an der unzugänglichen laotisch-vietnamesischen Grenze bewachen. Die CIA erhielt den Auftrag in Nordvietnam Sabotageakte zu verüben. Mit einer Militärhilfe von 42 Millionen US-Dollar wurde die südvietnamesische Armee modernisiert und aufgerüstet. Diem unterdessen ging mit äusserster Brutalität und Grausamkeit gegen die NLF vor. Doch auch dadurch bekam er die Lage nicht in den Griff. Aus diesem Grund bat er die Regierung der USA um ein Militärbündnis und die Entsendung von amerikanischen Kampftruppen. Kennedy entschied sich aber zunächst einmal gegen die Entsendung von Bodentruppen. Er weitete die Wirtschaftshilfe aus und erhöhte die Anzahl der militärischen Berater. 1962 befanden sich schon mehr als 9.000 solcher Berater in Südvietnam. Kennedy widerum verlangte von Diem eine Liberalisierung seiner Regierung und ein Mitspracherecht in militärischen und politischen Fragen. Die Amerikaner konnten sich aber mit ihren Forderungen nicht durchsetzen.
Die Amerikaner und das Diem-Regime wollten durch eine neue Strategie, die sogenannte “Counterinsurgency-Strategie”, den Einfluss der NLF auf die Landbevölkerung untergraben. Sie hatte zur Folge, dass in Südvietnam Dörfer zu Wehrdörfer ausgebaut wurden. Aber die NLF überrannte diese Wehrdörfer einfach. Daraufhin sollten amerikanische Helikopter durch Aufklärung NLF-Verbände finden und diese den südvietnamesischen Bodentruppen zutreiben, damit die südvietnamesische Armee die NLF-Verbände vernichten konnte. Hierbei kam es zu einem massiven Einsatz von Napalm und von hundertausenden Tonnen Herbizide. Ab 1963 wurde das Entlaubungsmittel “Agent Orange” eingesetzt. Doch das alles nützte nichts. Die ARVN konnte gegenüber der NLF keinen Meter Boden gewinnen. Es gab keinerlei Erfolge zu verzeichnen. Die Regierung der USA wurde immer unzufriedener mit der Regierung unter Diem. Diem liess sich nicht dahingehend bewegen, seinen totalitären Regierungsstil zur allmählichen Demokratisierung der Gesellschaft zu ändern. Vorübergehend befasste sich die amerikanische Regierung sogar mit Überlegungen, die eigenen Berater ganz aus Vietnam abzuziehen. Jedoch entschied sich die US-Regierung zu einer Vergrösserung des Engagements in Südvietnam und Verstärkung der geheimen Militäroperationen in Nordvietnam. Im November 1963 befanden sich schon 16.300 Berater in Südvietnam. Als im Mai 1963 Buddhisten in Hue den 2527. Geburtstag von Buddha feierten eröffneten Truppen Diems auf die Menschenmenge das Feuer. Mehrere Menschen starben. Daraufhin protestierten zehntausende buddhistische Demonstranten und auch hier wurde gegen sie mit aller Härte durchgegriffen. Es kam zu Selbstverbrennungen buddhistischer Mönche. Diese Bilder von Journalisten gemacht gingen schlagartig um die Welt und die Republik Vietnam erlebte ihre grösste Krise. Studenten schlossen sich den Protesten an und in der ARVN brodelte es vor Unzufriedenheit. In der Folgezeit setzten die USA nicht unbedingt mehr auf Diem als Partner. Im Geheimen sah sich die CIA nach einem geeigneten Nachfolger um. Als südvietnamesische Militäreinheiten putschten, Diem und sein Bruder Ngo Dinh Nhu den amerikanischen Botschafter Lodge baten ihnen Asyl zu gewären, wehrte Lodge diese Bitte unter einem Vorwand ab. Etwas später wurden die beiden Diem-Brüder erschossen aufgefunden. Drei Wochen später starb John F. Kennedy durch ein Attentat in Texas.
Lyndon B. Johnson wurde der Nachfolger des ermordeten John F. Kennedy. Johnson hatte nicht wie Kennedy Zweifel an dem amerikanischen Engagement in Vietnam. Die NLF hatte gegen Ende des Jahres 1963 erhebliche Erfolge errungen und die Militärjunta unternahm nichts dagegen. Dieser Zustand war Johnson ein Greuel und er äusserte mehrmals seine Befürchtungen, dass Vietnam die selbe Entwicklung nehmen könnte wie China. 1964 reiste der amerikanische Verteidigungsminister McNamara erneut nach Südvietnam. Sein Auftrag war, sich ein Bild von der aktuellen Situation in Südvietnam zu machen und dem Weißen Haus Vorschläge für das weitere Vorgehen der Vereinigten Staaten von Amerika zu unterbreiten. In seinem Bericht schnitt die Regierung unter Khanh sehr schlecht ab. Er war absolut von der Theorie des Dominoprinzips überzeugt, welche besagt, daß wenn ein Land dem “Weltkommunismus” zum Opfer fällt das nächste Land der entsprechenden Region das selbe Schicksal erleiden wird. Wie schon erwähnt war das die damals vorherrschende Auffassung der USA von der Auseinandersetzung zwischen dem “Westen” und dem Kommunistischen Osten”. Die innenpolitisches Situation Südvietnams sowie der Zustand der ARVN erregte in der Johnson Administration aufgrund McNamaras Berichten äusserste Beunruhigung. Folge davon war, dass die weitere Forcierung der verdeckten Operationen gegen Nordvietnam beschlossen wurden. Wer meint, dass die USA sich nur mit der Bekämpfung der NLF befassten irrt. Die Amerikaner nahmen Verhandlungen mit Hanoi auf, in denen sie Nordvietnam wirtschaftliche Hilfe versprachen, wenn sie die Unterstützung der südvietnamesischen Befreiungsbewegung aufgaben. Sollte sich Hanoi jedoch weigern, würde man Luftangriffe auf nordvietnamesisches Gebiet unternehmen. Doch Hanoi dachte nicht im mindesten auf diese Vorschläge einzugehen. Offiziell verlangten sie eine Neutralisierung Südvietnams und den vollständigen Abzug der Amerikaner. Insgeheim war es von Anfang an das Ziel Nordvietnams, der Republik Vietnam den Todesstoss zu geben und Vietnam als einen Staat unter Führung der Kommunistischen Partei zu vereinen. Man kann sagen was man will, man kann bewerten wie man will. Aber die schon immer von Ho Chi Minh angestrebte und später realisierte Vereinigung Vietnams war sein grösster Verdienst. Erst dadurch war es fremden Mächten nicht mehr möglich Vietnam zu spalten und terretorial zu besetzen.
Am 02. August 1964 wurde der amerikanische Zerstörer “Maddox” im Golf von Tonkin von nordvietnamesischen Torpedobooten angegriffen. Die Nordvietnamesen nahmen an, dass der Zerstörer mit einer Militäroperation der südvietnamesischen Armee betreffs der Insel Hon Me zusammenhing. Die Amerikaner provozierten bewusst Nordvietnam und entsanden einen zusätzlichen Zerstörer zur Verstärkung der “Maddox”. Und sie begannen mit Luftangriffen auf nordvietnamesische Militäranlagen und Treibstofflager. Angeblich sollte es einen zweiten Angriff der Vordvietnamesen gegeben haben. Jedoch im nachhinein war es seitdem sehr umstritten, ob die amerikanischen Zerstörer tatsächlich auch nochmals von nordvietnamesischen Marineeinheiten angegriffen wurden. Alles weisst darauf hin, dass ein solcher Angriff nicht stattgefunden hatte. Mit der “Golf von Tonkin-Resolution” nahm das direkte und massive militärische Engagement der USA in Vietnam seinen Anfang.
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